Eine spektakuläre Eröffnungsshow haben die Veranstalter des CHIO Aachen versprochen – und eine spektakuläre Eröffnung unter dem Motto «Welkom Nederland» haben sie am Dienstagabend vor vollbesetzten Zuschauerrängen geboten. Natürlich war die Show jetzt nicht so ein Spektakel wie jene von 2012 zur Eröffnung der Olympischen Spiele von London. Damals war ja alles derart teuer und pompös, dass sogar die Queen quasi aus allen Wolken fiel. In der Soers kam Willem-Alexander, seit April 2013 der König der Niederlande, die heuer das CHIO-Partnerland sind, jedenfalls von nirgends angeflogen.
Der Monarch aber entsandte seine schönsten Kutschen und Pferde, die schneidigsten Reiter und besten Musiker. Das Publikum wusste die Geste sehr zu schätzen, ebenso die Worte von Ludger Beerbaum, der hoch zu Ross mit Jeroen Dubbeldam plauderte. Klar gebe es die nachbarschaftliche Rivalität zwischen Deutschen und Niederländern, doch in der Reiterei sei man hier in Europa aus demselben Holz geschnitzt. Der CHIO Aachen sei damit für Jeroen ebenso ein Heimturnier wie für ihn selber, machte Beerbaum im Dreiländereck die Grenzen fliessend. Was abgesehen von möglichen geografischen Einwänden aus sportlicher Sicht eigentlich so ziemlich richtig ist: Der Niederländer Dubbeldam, einst Bereiter am Stall von Gerhard Etter, ist in der Soers 2015 Europameister im Team und Einzel geworden, er ritt hier 2006 mit der Equipe zu WM-Gold, und den Grossen Preis von Aachen hat er mit dem Schimmel De Sjiem schon 2001 gewonnen. Nur Olympia-Sieger ist Dubbeldam 2000 nicht in Aachen geworden – die Spiele fanden «dummerweise» ja in Sydney statt.
Doch zurück zum Einerlei, zum europäischen Gedanken, zum selben Holz der Reiter und zur selben ungeteilten Freude der «Öcher» (sprich Öscher), wie sie sich selber nennen. Die Aachener lieben Ihren CHIO, zu dem sie «Schio» sagen. Kein Wunder also, wirkten im riesigen Hauptstadion Hunderte von Aachener Kindern bei der Eröffnungsshow mit – neben Pferden, Ponys, Kutschen, Autos, Wohnwagen, Velos, Käse. Bereits beim Einmarsch der Nationen waren die Kinder dabei. Je zwei begleiteten je einen Vertreter der teilnehmenden Verbände. Sie alle kamen zu Fuss, nicht zu Pferd. Doch auch das war ein Spektakel und so wie Steve Guerdat links und rechts ein Schweizer Fähnchen schwingendes Kind an den Händen hielt, dachte man für einen kleinen Moment sogar: Ob es zwischen Guerdat und Roger Federer noch mehr Parallelen als den Sieg vom letzten Sonntag gibt?
Doch zurück zum Spektakulären. Das wirklich Spektakuläre dieser Eröffnungsfeier war letztlich eigentlich auch all das, was es nicht gab. Denn mit Mut zur eigenen Tradition und Stärke zeigte der CHIO, was es seit je im Dreiländereck Aachen gibt, und schmückte dies liebevoll, spassig und stimmig mit den schönsten Klischees vom lieben Nachbarn aus. Unterhaltender hätte der CHIO Aachen 2017 kaum beginnen können.
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