Frank van Sleen von der holländischen Firma Werkman Hoofcare B.V. und Hannes Hofer, Hufschmied aus dem österreichischen Grossrussach, stellten an der Hufbeschlagstagung 2020 das digitale Hufmessgerät Werkman Black vor. In der Schweiz setzen unter anderem Walter Wolf und Hans Meier das Gerät ein.
Text und Bilder Rob Neuhaus, Farriertec Suisse
«Sachen sehen lassen, die man mit den eigenen Augen nicht sehen kann», so beschrieb Frank van Sleen die Philosophie von Werkman Black. Walter Wolf ergänzt: «Die Verbindung von Erfahrung, Sehen und Spüren mit digitaler Technologie reizt mich.» Er hat zusammen mit Hans Meier ein Gerät für gut 5000 Franken erstanden und bereits bei zahlreichen Pferden eingesetzt.
Bestätigung der eigenen Arbeit
Werkman Black besteht aus einem Tablet sowie zwei je 60 Gramm leichten Sensoren, die dem Pferd an die Hufe geklebt werden. Jetzt geht man mit dem Pferd gut 20 Schritte im Schritt und im Trab auf möglichst gleichmässigem Untergrund, einmal hin und einmal zurück. Die Sensoren messen die Bewegung der Hufe in allen Richtungen – 1140 Registrierungen pro Sekunde – und übermitteln die Daten an den Computer. Nach einigen Minuten kann der Bewegungsablauf bis ins letzte Detail nachverfolgt und analysiert werden. Für Walter Wolf eine wichtige Bereicherung: «Ich arbeite weiter wie bisher – das heisst ich beurteile, schneide und beschlage den Huf, und dann messe ich mit Werkman Black. Wenn ich meine Arbeit gut gemacht habe, stimmen meine persönliche Beurteilung und die Angaben des Gerätes überein.»
Die subjektive Messung von Werkman Black dient aber mehr als nur der Bestätigung der Arbeit. Wird ein Pferd über längere Zeit immer wieder vermessen, lässt sich die Wirkung der Arbeit analysieren, mögliche Verbesserungen können daraus entstehen. Walter Wolf schätzt auch den Austausch mit dem viel jüngeren Hans Meier. Indem sie ihre herkömmlichen Erfahrungen und die digitalen Daten diskutieren, können sie sich noch besser an einen optimalen Beschlag annähern.
Sicherheit gegenüber Kunden
Werkman Black speichert alle Daten. Das heisst einerseits, dass die Kunden die Einwilligung zur Messung geben müssen. Anderseits ist die Dokumentation eine wichtige Grundlage, um die Anlage der Hufe und die Massnahmen zu diskutieren. Die meisten Kunden zeigen grosses Interesse. Die Kombination von herkömmlicher Berufserfahrung und digitaler Technik schafft zusätzliches Vertrauen. Sind die Kunden während dem Beschlag abwesend, schickt Walter Wolf ihnen einen Printscreen via WhatsApp, Mail oder ähnlich. Die Aufzeichnung ist auch ein gutes Hilfsmittel für andere Beteiligte, zum Beispiel der Tierarzt oder der Osteopath. Schliesslich können die völlig neutralen Messdaten bei einem allfälligen Streitfall zur Dokumentation und zur Beurteilung des Falls beigezogen werden.
Eine zusätzliche Perspektive
Das Gerät, so Walter Wolf, ist einfach zu handhaben. Die Sensoren lassen sich problemlos montieren, die Messdaten sind schnell vorhanden, die zahlreichen Funktionen, Darstellungs- und Auswertungsmöglichkeiten sind leicht verständlich. Aber er betont, wie wichtig nach wie vor die konventionelle Beurteilung und Ausführung sind – und damit auch die Ausbildung, während der der Blick für das Bedürfnis des Tieres geschult wird. «Nach einer Messung frage ich mich, ob sie meiner Einschätzung entspricht. Oder muss ich etwas an meinem Beschlag ändern? Das Gerät lehrt uns, noch genauer hinzuschauen und unser Handeln zu hinterfragen.» Das Fazit liefert Hannes Hofer in einem Video auf Youtube: «Werkman Black ist objektiv, eine zusätzliche Perspektive. Vergessen wir das übrige Pferd nicht! Wir brauchen ein Symbiose: was wir sehen, was wir hören, unsere Erfahrungen – und Werkman Black.»
Auf dem Hauptbild: Die je 60 Gramm leichten Sensoren werden dem Pferd an die Hufe geklebt.
Walter Wolf: «Das Gerät lehrt uns, noch genauer hinzuschauen und unser Handeln zu hinterfragen.»
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