Aus „Kavallo“ 09/23: Ein Stallwechsel bedeutet für Pferde eine einschneidende Veränderung – unter den richtigen Umständen kann er aber zu einem wertvollen Neuanfang werden.
Text: Eva Schweiger, Originalartikel erschienen in „Pferderevue“ 02/2022, Fotos: Christiane Slawik
In unserem Stall gibt es ein altes Pferd, das sein ganzes Leben lang fast jede Nacht in derselben Box verbracht hat. Es musste nie in einen anderen Stall umziehen, sich nie an eine andere Umgebung oder eine ganz neue Herde gewöhnen. Ein Idealfall? Vielleicht gar nicht so sehr. Denn große Veränderungen müssen für ein Pferd nicht nur Stress bedeuten, sondern können unter den richtigen Umständen auch einen unbezahlbaren Beitrag zu einem erfüllten Pferdeleben leisten.
Neugierige Nomaden
Wildpferde in Freiheit führen ein höchst abwechslungsreiches, teilweise nomadisches Leben. Sie durchstreifen große Gebiete, erleben und erkunden eine täglich sich verändernde Umgebung und erforschen immer wieder Fremdes. Sie sind neugierig und grundsätzlich interessiert an allem, was sie noch nicht kennen. Ist es ihnen möglich, unternehmen Wildpferde in vielen Regionen der Welt im Verlauf des Jahres wiederkehrende Wanderungen. Sie tragen damit der Futter- und Wasserverfügbarkeit, dem Klima und der sozialen Dynamik der Herde Rechnung. So entwickeln sie im Laufe ihres Lebens detailreiche Landkarten im Kopf, die Erfahrungen und Erlebnisse mit Orten verknüpften. Sie leben in einer ständig anregenden, fordernden Umgebung mit der Möglichkeit, ihr angeborenes und durch Erfahrungen erarbeitetes Können und Wissen anzuwenden. Dafür gibt es eine wichtige Voraussetzung: die Unterstützung eines stabilen sozialen Netzwerks. Dieses liefert ihnen ihre Familiengruppe, in der vor allem die Stuten oft über viele Jahre, wenn nicht sogar ein Leben lang verbleiben. Große Pferdeherden mit vielen Tieren sind unter Wildpferden weniger häufig zu finden. Allein die meist kargen Lebensräume verhindern deren Bildung, weil sie nicht genügend Futter für große Gruppen von Pflanzenfressern liefern. Aber auch die soziale Dynamik führt immer wieder zur Aufspaltung bestehender Gruppen. Kurz: Das Pferd ist im Grunde für ein sehr abwechslungsreiches Leben unter dynamischen Bedingungen geschaffen.
Hier geht’s zum ganzen Artikel aus dem Printmagazin.
Ihnen hat der Artikel gefallen? Abonnieren Sie das “Kavallo” und verpassen Sie nichts mehr!
Jeden Donnerstagabend erhalten Newsletter-Abonnentinnen und -Abonnenten
ausgewählte Artikel sowie die nächsten Veranstaltungen bequem per E-Mail geliefert.