Das Swiss Derby in Frauenfeld ist zwar «bloss» mit 50 000 Franken dotiert und genisst nicht die Bedeutung der «grossen» Derbys im Ausland. Trotzdem ist es der Traum eines manchen Besitzers, Trainers oder Reiters, eben gerade dieses Rennen zu gewinnen. Dies gelang bisher erst fünf in der Schweiz trainierten Pferden, denn stets reisten gute Pferde aus Frankreich oder Deutschland an, um den Schweizern den Pokal zu entführen. Doch diesmal gelang genau das den drei ausländischen Gästen nicht! Famous Wolf aus dem Stall des mehrfachen französischen Championtrainers André Fabre, Youmna in den Farben des Vorjahresbesitzers Cheik Abk Al Thani und betreut von Henri-Alex Pantall in Nantes sowie Christian von der Reckes Schützling Jason aus Deutschland stellten sich vier Pferden aus hiesigen Quartieren. Miro Weiss schickte Seacret und Zandvoort ins Rennen, Claudia Erni die einzige Stute Thalissa und die Dielsdorfer Trainerin Flurina Wullschleger sattelte den Wallach Aquilino. Der mit seinen vier weissen Beinen und der Blesse auffällige Fuchs wurde von Pierre-Charles Boudot geritten, dem französischen Jockey-Champion 2015 und 2016. Im nicht allzu schnell gelaufenen Rennen griff Boudot schon in der Gegenseite souverän an und übernahm im letzten Bogen die Führung. Das Pferd reagierte gut auf die Aufforderungen des Reiters und so vergrösserte den Vorsprung. Famous Wolf mit Vincent Cheminaud im Sattel kam von ganz hinten und machte viel Boden gut. Auch Youman mit Olivier Peslier nahm die Verfolgung von Aquilino auf – doch der Zug war bereits abgefahren. Der eindrücklich wegziehende Wallach war nicht mehr zu gefährden und gewann leicht mit einer Länge vor Youman. Dritter wurde eineinhalb Längen dahinter Famous Wolf. Boudot sagte später, er habe gewusst, dass sein Partner die Distanz stehen würde und deshalb habe er voller Vertrauen früh angreifen können, wodurch die Gegner diese frühe Tempoverschärfung überrascht wurden. Durch seinen cleveren Ritt hatte Boudot wieder einmal seine Klasse bewiesen. In Hochform befindet sich der 26-jährige Franzose allemal, denn in der vergangenen Woche hatte er mit Channel den Prix de Diane in Chantilly gewonnen und in Royal Ascot die Coronation Stakes mit der Stute Watch Me, gezüchtet und im Teilbesitz der Schweizerin Antoinette Tamagni-Bodmer. In die Annalen des Swiss Derbys hatte sich Boudot schon 2017 mit Malkoboy eingeschrieben.
Aquilino befindet sich seit einem Monat im Besitze von Peter und Rita Hartmann aus Seewen im Prättigau. Seit einer Woche wird der ehemalige Fabre-Schützling in Dielsdorf von der 37-jährigen Trainerin Flurina Wullschleger betreut, die zusammen mit ihrer Schwester Astrid elf Pferde trainiert. Boudot hat das Pferd schon in Frankreich bei dessen vier Starts geritten und kennt es bestens. Und so kam es denn, dass der sympathische, elegante Fuchswallach mit den langen Beinen einen einheimischen Swiss Derby-Erfolg realisierte. Das Publikum, wenn es auch nur 3800 Zuschauer waren, beklatschte den Sieger freudig und für einmal, eben zum sechsten Mal in der Geschichte, erklang die Schweizer Hymne bei der Siegerehrung.
Das nächste Ziel für Aquilino, was «Kleiner Adler» bedeutet, dürfte das St. Leger über 3000 Meter sein. Ob er dann wieder seine Flügel ausbreiten wird und den Gegnern davonfliegen, wird sich zeigen!
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