Welche junge Reiterin träumt nicht davon, einmal eine Lizenz zu erlangen und an grösseren Turnieren zu starten? Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Der Weg über Stilprüfungen oder die Lizenzprüfung. Drei junge Reiterinnen erklären ihren Weg zur Lizenz.
Seit Anfang Jahr ist das Brevet SVPS komplett neu aufgegleist, das bringt einige Neuerungen für Turniereinsteiger mit sich. Wer bisher das Reiterbrevet absolvierte, war danach startberechtigt an Dressur- und Springturnieren auf Brevet-Niveau. Neu ist nun zuerst die Grundausbildung mit Diplom zu bestehen, erst danach kann das Brevet absolviert werden. Wer an Spring- oder Dressurturnieren starten will, muss eines der neuen Brevets machen. Für Springen ist das Brevet kombiniert zu absolvieren, dieses berechtigt zum Start in B-Springprüfungen, GA-Prüfungen und B1-Geländeprüfungen. Das Brevet Dressur ermöglicht nur Starts in GA-Prüfungen. Der SVPS hält dazu jedoch fest, dass alle Inhaberinnen und Inhaber eines bis zum 31. Dezember 2018 erlangten Reiterbrevets weiterhin in Dressurprüfungen GA, Springprüfungen B und Concours Complet B1 analog dem neuen Brevet Kombiniert auch startberechtigt sind.
Wer an Springturnieren teilnehmen möchte, braucht neu die Grundausbildung Pferd Reiten und das Brevet Kombiniert. Und wenn es über höhere Sprünge gehen soll, die Lizenz. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: die Lizenzprüfung oder der Erwerb über Resultate an Stilprüfungen.
Stilprüfung: gut für Routine
Das Wichtigste im Springtraining ist für Simea Rindisbacher der Rhythmus: «Ich versuche, möglichst gut den Rhythmus des Pferdes zu spüren und in diesem den Parcours zu reiten.» Letztes Jahr absolvierte die 14-Jährige die Springlizenz mittels Stilprüfungen und startete dann ihre ersten R100/105-Prüfungen. Dabei gewann sie einige weisse Schleifen. Mit neun Jahren absolvierte Simea das Reiterbrevet und im Jahr darauf startete sie bereits an Turnieren. Die ersten Springturniere absolvierte die junge Reiterin mit den Ponys Floris und Bo. Als sie langsam zu gross für die Ponys wurde, stellte ihr der Vater die Schweizer Warmblutstute Lhasa Chips Chen CH zur Verfügung, mit der er erfolgreich in den R120/125-Prüfungen unterwegs gewesen war. Nun durfte sie mit Simea in niedrigeren Prüfungen starten. «Es ist toll, ein solches Pferd zu reiten. Sie hat sehr viel Erfahrung und ich kann viel davon profitieren», schwärmt Simea. Mit Lhasa konnte sie auch die Lizenz erreichen: «Ich kam zur Lizenz über Stilprüfungen, weil ich so Routine sammeln und an meinem Stil arbeiten konnte.». An den Stilprüfungen gefiel ihr, dass man nicht aufs Tempo drücken musste und exakt reiten konnte.
Prüfung: nur ein Tag
Joy Frei aus Thun ist mittlerweile 20 Jahre alt und studiert Agronomie mit Schwerpunkt Pferdewissenschaften an der HAFL in Zollikofen BE: «Ich absolvierte die Lizenzprüfung 2014 mit meinem Wallach Clay II in Cheseaux.» Sie wollte die Prüfung absolvieren, weil ihr die Bewertungen an Stilprüfungen zu unsicher waren. «Ich wusste, dass mein Wallach nicht schön rund durch den Parcours geht, sondern eher zappelig und deshalb keine gute Stilnote zu erwarten gewesen wäre.» Viele Stilprüfungen seien zudem in der Westschweiz ausgeschrieben gewesen, was lange Anfahrten bedeutet hätte. «Der Aufwand ist riesig, das Pferd immer tiptop herauszuputzen.» An der eintägigen Lizenzprüfung gefiel Joy Frei der schnelle und reibungslose Ablauf. «Auch die gruppenweise Parcoursbesichtigung war praktisch.» Einzig schade fand sie, dass sie kein Bewertungsblatt erhielt: «Mich hätte interessiert, wie der Ritt benotet wurde.» Heute ist Clay altershalber pensioniert, dafür startet Joy mit ihrer selbst ausgebildeten Schimmelstute Chayenne erfolgreich an Promotion-Turnieren.
Goldtest: breite Ausbildung
Die 18-jährige Nicole Langenegger aus Uerkheim hat die Springlizenz 2017 an einer Goldtestprüfung absolviert. «Ich hatte zuerst das Brevet gemacht, drei Jahre später den Silbertest und im folgenden Jahr den Goldtest.» Auf den Goldtest stiess sie über eine Reitschule, weil es mit den Schulpferden nicht möglich gewesen wäre, so oft an Stilprüfungen zu starten. So war der Goldtest eine gute Alternative. «Die normale Springlizenz zu reiten, war irgendwie gar nie ein Thema», so Nicole. Selber habe sie von den Goldtesttrainings viel profitiert: «Es geht halt nicht nur ums Springen, auch der Dressurteil ist nicht ohne.» Gut fand sie weiter, dass Dressur und Springen zu je 50 Prozent zählten und sich mögliche Patzer wieder etwas ausgleichen liessen. «Ich würde es immer wieder so machen. Ausserdem täte es vielen Springreitern gut, etwas mehr Dressur zu reiten.»
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