Dass ein Jahr nach Hefenhofen der Zürcher «Tages-Anzeiger» die Affäre um den Oberthurgauer Landwirt und Pferdezüchter U.K. in einem ganzseitigen Artikel nochmals thematisiert hat, erstaunt nach dem damals erlebten medialen Echo nicht. Der Bericht ruft der Schweizer Pferdewelt erneut in Erinnerung, welchen Stellenwert das Pferd in der Bevölkerung geniesst. Denn auch im aktuellen Beitrag «Die hässliche Sache vergessen» wird nichts über die ebenso vernachlässigten Rinder, Schweine oder Hühner geschrieben, alles dreht sich wieder nur um die Pferde. Gespannt wartet man deshalb auf den von einer unabhängigen Untersuchungskommission erstellten Schlussbericht, der Ende September vorliegen soll.
Der nach einem Jahr wieder in Erinnerung gerufene Hefenhofener Skandal hat noch einen aktuellen Bezug. An der Herbstversammlung des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport vom 27. Oktober sollen nämlich von den Mitgliedern «Ethische Grundsätze zu Haltung und Nutzung» verabschiedet werden. Gerade Hefenhofen zeigt, wie eng heute der Handlungsraum im Umgang mit Pferden geworden ist und eine Aussage wie von Paul Gschwind, dem Präsidenten des Schweizerischen Freibergerverbandes, Tierschutz sei nicht das Problem eines Zuchtverbandes, künftig nicht mehr getätigt werden darf. Sollen «Ethische Grundsätze» nicht einfach leere Worte sein, haben sich ausnahmslos alle Mitglieder daran zu halten. Und dass es immer wieder zu Skandalgeschichten kommt, ist die Branche selber nicht unbeteiligt, wie ein Blick zurück zeigt. Ende 1980er Jahre sorgten die Exporte alter CH-Pferde ins Ausland für Schlagzeilen, weil sich damit zu staatlich sanktionierten Kompensationskontingenten kommen liess. Von Schlachtpferden wollte man damals beim Bundesamt für Landwirtschaft nicht sprechen, denn – so hiess es – auch solche Pferde könnten alleweil noch ein paar Jahre in der Manege laufen. Mitte 1990er Jahre schreckte dann eine TV-Sendung die Öffentlichkeit auf, als der Verlad von Freibergerfohlen direkt ab Schauplatz und von ihren Müttern weg in italienische Schlachthäuser gezeigt wurde. Ob Hefenhofen oder Schlachtfohlen – Ethische Grundsätze sind einem ständigen Wandel unterzogen und räumen dem Wohlergehen der Pferde wie auch anderen Tieren ständig mehr Raum ein. Ob in den «Ethischen Grundsätzen» des SVPS dem Wohlergehen «absolute Priorität» oder «soweit mögliche Priorität» künftig zukommen soll, werden sich die Mitglieder sehr sorgfältig zu überlegen haben. Die Glaubwürdigkeit des Pferdesports in der Öffentlichkeit wird von klaren Formulierungen massgeblich bestimmt werden.
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