Auf einen Esel folgte ein zweiter. Und heute geniessen drei Esel ihr Leben bei Thea Zbinden. Die Kaufempfehlung von der Präsidentin der Eselfreunde: Für Kinder grosse Esel kaufen, damit man sie auch reiten kann.
Hört man an der PFERD ein lautes «III-aaa» sind Thea Zbinden und ihre Esel meist nicht weit. «Esel bleiben im Kopf sehr lange Teenager», erklärt Thea Zbinden. Deswegen rät die passionierte Eselhalterin neuen Eselfans, sich anfangs keine Jungtiere zu kaufen. «In jungen Jahren testen sie sehr viel.» Schnell sind dann beide Seiten überfordert und gefrustet. «Esel haben sehr viel Grips unter den Ohren, auch alte Esel lernen noch sehr viel.»
Thea Zbinden hält drei Esel in Worben BE. «Meine Mutter war fasziniert von Eseln und begann sich über sie zu informieren», erklärt die Präsidentin der Schweizerischen Interessensgemeinschaft Eselfreunde (SIGEF). «Esel sind wie ein Virus, ist man von ihnen infiziert, ist man schwer krank für lange Jahre.» Und so kam Mira als erster Esel in den Stall in Worben. Es war von Anfang an klar, dass es ein grosser Esel sein soll, denn Thea Zbinden wollte ihn auch reiten. «Sind Kinder in der Familie, ist ein grösserer Esel ab etwa 120?cm Stockmass empfehlenswert, da das Interesse am Tier länger bestehen bleibt.»
Mira wurde bei einem Händler gekauft, doch das sei nicht ratsam. Gekauft wurde die Stute sechsjährig, später kam heraus, dass sie damals erst etwa 3,5 Jahre gewesen war. Später kauften sie die Stute Ronda. «Die beiden verstanden sich schnell, bereits nach fünf Stunden begannen sie mit gegenseitiger Fellpflege.» Die Eselexpertin weiss, wie wichtig es ist, dass eine Eselherde als Gruppe funktioniert, damit es Freude macht.
Angst vor nassen Hufen
Mira macht alles, ausser es geht um Wasser. Die Langohr-Stute lässt sich reiten, fahren, basten und macht Zirkuslektionen. Auch Gymkhanas sind kein Problem. Besondere Freude bereitet Mira das Springen, seit vielen Jahren führt sie dies jährlich an der BEA vor. Die dritte Eselstute im Bunde ist ein etwas schwierigerer Fall, womöglich wurde Carmona früher misshandelt. Zum Glück steht ihr die ältere Mira als Lehrmeisterin zur Seite. Bei Eseln müsse man ein «guter Verkäufer» sein, Geduld und kurze Trainingseinheiten seien besonders wichtig. Beim Einreiten der jungen Esel half ein Mädchen. Schritt für Schritt machten sie längere Runden im Gelände. Spielerische Übungen wie Slalom oder dem Gewicht ausweichen gehörten ebenfalls ins Trainingsprogramm. Gerade für Kinder seien Esel ideal. Sie seien sanftmütiger als Pferde und reagierten bei Gefahren ruhiger und drehten nicht gleich um.
Diät als Alltagskost
«Esel muss man füttern, dass es einem als Besitzer wehtut. Dann ist es die richtige Menge.» Denn Esel werden schnell zu dick. Thea Zbinden füttert ihren Eseln ein Gemisch aus Ökoheu und Gerstenstroh. Auf die Weide kommen sie nur etwa zehn Minuten pro Tag. Besonders aufzupassen ist beim Anweiden, denn Esel sind sehr anfällig bezüglich Hufrehe. «Esel sind keine Rasenmäher», so die Langohren-Fachfrau. Daneben steht den Eseln ein Leckstein zur Verfügung. «Ein Grund zum Reinkommen sind jeweils Leinsamen und Hirseflöckchen.» Und vergessen gehen könnten diese nicht, sie erinnerten einen schnell daran.
Esel und Pferde zusammen zu halten, sei nicht ideal: «Esel sind kein gleichwertiges Herdenmitglied für Pferde.» In Pferde- und Eselherden herrschen unterschiedliche Rangordnungen. Esel sind in der Natur gleichberechtigt. Daher ist es recht einfach, neue Esel in eine Gruppe einzufügen.
Esel mögen harte, trockene Böden. Einen Platz hat Zbinden mit Gartenplatten und einen mit Rundkies gestaltet. Fressbare Einstreu darf nicht verwendet werden, weil sonst gleich alles gefressen wird.
Nicht knabbern lassen
«Junge Esel knabbern gerne an Menschen», so Thea Zbinden. «Wichtig ist, dies früh zu unterbinden, damit sie später nicht beissen.» Die Eselhalterin hilft bei Problemen auch anderen Eselbesitzern. Meistens seien die Probleme aber schnell behoben. Eines ist aber ganz klar, die Langohren bereiten Alt und Jung gleichermassen viel Freude.
Esel zeigen lieber Kampfhaltung als dass sie fliehen
Esel haben nicht nur längere Ohren als Pferde, ihre für trockenen Untergrund geschaffene Hufe sind ebenfalls anders. Die Hufwand der Esel kann mehr Wasser aufnehmen, was in trockenen Gebieten ein Vorteil ist. In unseren Breitengraden sollte die Haltung so sein, dass Esel Nässe ausweichen können. Die Fellfarbe ist grau oder braun bis schwarz, manchmal rötlich oder gescheckt. Sehr selten sind weisse Esel. Über den Rücken verläuft häufig ein Aalstrich, die Beine sind manchmal zebraartig gestreift. Häufig sind die Haare am Bauch, am Maul und um die Augen herum weiss. Esel haben meist eine Stehmähne und einen ganz anderen Schweif als Pferde. Sie haben je nach Rasse ein Stockmass von 90 bis 160 cm. Esel sind in der Regel langlebiger als Pferde und können über 40 Jahre alt werden. Im Gegensatz zu Pferden besitzen Esel nur fünf und nicht sechs Lendenwirbel. Die Körpertemperatur ist bei Eseln mit 37 Grad etwas niedriger als bei Pferden (37,5 bis 38). Die Tragezeit ist bei Eseln länger. Auch vom Verhalten her unterscheiden sie sich von ihren kurzohrigen Verwandten: Zeigen Pferde schnell ein Fluchtverhalten, neigen Esel zu Kampfreaktionen. Eselstuten leben oftmals alleine mit ihrem Fohlen, eine Flucht könnte deshalb das Fohlen gefährden. In Stresssituationen bleiben Esel oft wie angewurzelt stehen, was ihnen den Ruf als besonders sture oder dumme Tiere eintrug.
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