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Die Bahn von Iffezheim bei Baden-Baden ist das beste Pferd unter Deutschlands Rennveranstaltern. Galopprennen und Jährlingsauktion ziehen hier während der Grossen Woche eine internationale Klientel an. Das erinnert an früheren Glanz und ist dennoch nur ein prickelnder Sommerflirt mit besseren Tagen. Denn grosse Sorgen ?plagen den deutschen Turf.  
In eleganten Abendkleidern stehen die Damen in der Lobby des Hotels, die Herren tragen Smoking. Draussen warten die schwarzen Limousinen für die kurze Fahrt hinüber in den Kursaal zum Grand Prix Ball. Vor dem Abschluss der Grossen Woche in Baden-Baden ist er gesellschaftlicher Höhepunkt der Galopprennen auf der nahe gelegenen Bahn von Iffezheim, ein Highlight im deutschen Turf. Und ganz besonders ist der festliche Anlass eine glamouröse Reminiszenz an die Glanzzeit der Bäderstadt. Im 19. Jahrhundert war Baden-Baden die «Sommerhauptstadt» Europas.
Die Rückbesinnung auf gute alte Zeiten heisst freilich nicht, dass die Gegenwart zwingend eine schlechte ist. Man mag bedauern, dass es auf der Bahn kein Krawattenobligatorium mehr gibt und selbst am Finaltag mit dem Longines Grossen Preis von Baden auch Rennen der niedrigsten Kategorie stattfinden. Doch dank des pragmatischen Ansatzes der Veranstalter von Baden Racing haben die Rennen nach der schwierigsten Zeit ihrer Geschichte (siehe unten) wieder eine wirtschaftlich tragbare Basis gefunden. Altlasten aus Bauvorhaben und ein markanter Rückgang bei den Wetteinnahmen hatten zu Verbindlichkeiten von mehr als 14 Millionen Euro und in ein Insolvenzverfahren geführt. 
«Wir wollen attraktive Freizeitveranstaltungen für breite Besuchergruppen anbieten und handeln dabei professionell, aber auch kommerziell», hatte Andreas Jacobs 2010 die neue Marschrichtung vorgegeben. Der mittlerweile 53-jährige Hamburger ist Präsident von Baden Racing und ein Enkel von Walther J. Jacobs, der den Kaffee zur Krönung machte und im Gestüt Fährhof Pferde züchtete, deren Klasse den hervorragenden Ruf der deutschen Vollblutzucht untermauerte – und noch immer untermauert. 
So wurde an der Jährlingsauktion vom 2. September ein Umsatz von 8 426 500 Euro erzielt (185 Verkäufe bei 235 im Ring präsentierten Pferden) und für das Höchstgebot war ein südafrikanischer Bieter zuständig, der für insgesamt rund 1,4 Millionen hoffnungsvolle junge Galopper kaufte. 500 000 Euro gab er für eine Stute aus, deren Vater der in sechs Gruppe-1-Rennen ungeschlagene Sea The Stars ist. Die Linie der Mutter Estefania führt zurück auf Elektra, eine 1962 im Gestüt Fährhof gezüchtete Orsini-Tochter. 
Verkäufer der teuren Stute ist das Gestüt Wittekindshof des Dortmunder Unternehmers Hans-Hugo Miebach, nicht der Fährhof. Das braucht Andreas Jacobs freilich nicht zu kümmern, hat doch Baden Racing gegenüber auf der Rennbahn nicht minder beeindruckende Zahlen erzielt. An den sechs Renntagen der Grossen Woche zählte der Veranstalter 53200 Besucher und registrierte im Wettgeschäft einen Umsatz von 3,081 Millionen Euro – obschon zum Abschluss der Aussenseiter Iquitos im Regen zum überraschenden Sieg im Grand Prix galoppierte. Andere Veranstalter können von solchen Zahlen bloss träumen. In Baden-Baden flossen im letzten Jahr pro Rennen 57 636 Euro in die Wettkassen, den zweitbesten Wert erzielte Hamburg mit 48 101 Euro.
Freilich ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Im Jahr 2002, bei der Einführung des Euros, betrug der Wettumsatz pro Rennen in Baden-Baden noch 171 179 Euro, nachdem er 1994 sogar bei 227 442 Mark gelegen hatte. Dieser Rückgang ist Abbild der generellen Situation im sorgengeplagten deutschen Pferderennsport, der sich konträr zu den Erfolgen deutscher Galopper auf internationalem Parkett verhält. 2011 gewann die Stute Danedream den Prix de l’Arc de Triomphe in Paris und 2012 die King George VI and Queen Elizabeth Stakes. Im Prestige-Event von Ascot setzte sich ein Jahr später auch der Hengst Novellist durch und 2014 gewann Protectionist als erstes in Deutschland trainiertes Pferd den Melbourne Cup, das Rennen, das ganz Australien in Atem hält.
In der gleichen Zeitspanne aber ging die Zahl der in Deutschland trainierten Galopper von 3082 (im Jahr 2010) auf 2649 (im Jahr 2014) zurück, die Zahl der Rennpferdebesitzer sank von 1282 auf 1093, die Zahl der Züchter von 815 auf 550, die Zahl der Zuchtstuten von 1982 auf 1451. Immerhin: Der durchschnittliche Rennpreis ist in Deutschland auch 2015 weiter gestiegen – auf 11 314 Euro. Ebenso stieg das durchschnittlich gewonnene Preisgeld pro gelaufenes Pferd wieder minim an (5916 Euro) und die ausbezahlten Züchterprämien konnten 2015 mit 3,269 Millionen Euro fast auf dem Vorjahresniveau gehalten werden. Ob das aber die lang erhoffte Trendwende bringt?
Unweit von Baden-Baden streiten im Finanz- und Wirtschaftszentrum Frankfurt der lokale Rennklub, die Stadt und der Deutsche Fussballbund um die Nutzung des Geländes der Galopprennbahn, die einem Fussball-Leistungszentrum weichen soll. Wer da wohl obsiegt? Die Frage ist leicht zu beantworten, immerhin hat die Fussball-WM 2006 ganz Deutschland ein wunderschönes Sommermärchen beschert. Also mehr als ein noch so prickelnder, aber flüchtiger Sommerflirt.

Aus der Historie der Bahn

1858 liess Edouard Bénazet, der französische Pächter der Spielbank Baden-Baden, vor den Toren der Kurstadt eine Pferderennbahn bauen. Noch im selben Jahr fanden in Iffezheim die ersten Rennen statt. 1870/71 beendete der Deutsch-Französische Krieg die Gründungsphase. 1872 übernahm der neu gegründete Internationale Club unter der Präsidentschaft von Fürst Carl Egon zu Fürstenberg die Veranstaltung der Rennen. Erster und Zweiter Weltkrieg führten zu Unterbrüchen und einer längeren Pause. 1951 wurde der Rennbetrieb wieder aufgenommen und sukzessive stieg die Bedeutung der Rennen. 1963 fand während der Grossen Woche erstmals eine Jährlingsauktion statt. 1972 kamen Frühjahrsmeeting und Frühjahrsauktion hinzu, 2004 das Sales & Racing Festival mit einer weiteren Auktion. Gleichzeitig wurde die Infrastruktur stark erweitert, was den Internationalen Club finanziell indes so sehr belastete, dass er 2009 den Konkurs anmelden musste. 2010 übernahm Baden Racing als neuer Veranstalter unter der Ägide von Andreas Jacobs die Rennbahn.

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