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Nirgends zeigt sich die Pferdewelt so geschlossen wie an Pferdemessen. In St. Gallen im Rahmen der Offa wie an der nationalen Ausstellung Pferd in Bern. Mit Erfolg, denn die nicht vom Rösselervirus infiszierten Besucher lassen sich immer wieder neu vom Jahrtausende alten vierbeinigen Weggefährten begeistern, wenn allein im Namen des Pferdes geritten und gefahren wird. Vorab die täglich stattfindende Rassenschau bringt Jung und Alt über Mittag in die grosse Arena an der Pferdemesse. Männiglich freut sich denn auch eine gute Stunde lang über die scheinbar fast unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten der Einhufer. Ist diese frohe Vielfalt nicht als sichtbar gewordene Liebe zum Pferd zu verstehen? Gewiss, denn die Liebe zu ihnen und der hohe Stellenwert ihres Hobbys im Alltag bilden den grossen gemein-samen Nenner unter den Pferde-sportlern, wie eine kürzlich von der Georg-August-Universität Göttingen präsentierte Studie «Reiterleben, Reiterwelten» erkennen lässt.  
Der Traum von «Pferd Schweiz»
Die Einigkeit aller Rassen in der grosen Mittagsschau an der Berner Pferd erfüllt den Intendanten Ernst Voegeli mit besonderer Genugtuung. Wenn er vom Speakerpult aus während einer guten Stunde rund 30 verschiedene Rassenpräsentationen kommentiert, entspricht das genau dem, was ihm seit Jahren als Vision vorschwebt: ein aus allen helvetischen Hippoverbänden und -organisationen zusammengesetzter Dachverband «Pferd Schweiz». Seine Idee wird wohl immer wieder aufgegriffen, einer ernsthaften Verwirklichung stehen jedoch zu viele Einzelinteressen im Weg. Für Voegeli höchst bedauerlich: «Für mich unverständlich, vor allem auch wenn man sieht, wie es mehr und mehr an Geld fehlt wie in der Pferdezucht oder wie eigentlich gleichgesinnte Organisationen sich gegenseitig das Leben schwer machen.» Voegeli hat nicht nur in der nationalen Rassenschau den Überblick, als Mitglied in verschiedensten Vorständen und Kommissionen, vom Pferdehändlerverband bis zur Ausbildungskommission im Pferdesportverband, blickt er aus verschiedensten Perspektiven tief ins Innere des Pferdelandes Schweiz. 
Das Pferd als Objekt der Begierde löst seit Jahrzehnten die unterschiedlichsten Beweggründe unter Menschen aus, sich an den Vierbeinern nicht nur aus Distanz zu erfreuen, sondern sich intensiv mit ihnen auseinanderzusetzen: Durchschnittlich 20 Stunden pro Woche, was laut erwähnter Studie einer Halbtagesstelle gleichkommt. Mit hipporelevanten Beweggründen hat sich der Winterthurer Arzt und Psychiater Christian Weber schon vor 15 Jahren auseinandergesetzt. Nicht weniger als 17 verschiedene Erlebnisbereiche wusste er auszumachen, die den Menschen zum oder aufs Pferd bringen. Mit einer grossen Spannweite, die von Sich-tragen-Lassen, der sinnlichen Körperberührung, dem Naturerlebnis über eine gesamtheitliche Körpererfahrung bis hin zu Dynamik und Kraft, Statussymbol oder Prestige reicht. Nach Weber könnten es durchaus auch noch mehr sein. 
Hang zum equestrischen Kastenwesen
Auch wenn sich die über 8 Millionen Einwohner auf gut 40000 km2 verteilen und als Einwohner der Schweiz wahrgenommen werden, sehen sich dennoch viele als Basler, Berner, Zürcher oder Thurgauer. Von Kantönligeist kann in der Pferdewelt zwar nicht de Rede sein, wohl aber von einem equestrischen Kastenwesen. Denn 60 Prozent der Reiter stimmen der Aussage zu, dass zwischen den Vertretern der Reitweisen Unterschiede bestehen. Die Göttinger Studie hält dazu fest: «Auf den ersten Blick haben Pferdesportler zwar viele Gemeinsamkeiten – so konnte aufgezeigt werden, dass es Aspekte wie z.B. die Liebe zum Pferd gibt, in denen sich so gut wie -alle einig sind. Wenn man aber ge-nauer hinsieht, fallen Unterschiede auf: Diese erstrecken sich von den Ansprüchen an Ausrüstungsgegenstände über die Meinung zu den Anforderungen an Haltungssysteme bis hin zu den Vorlieben, wie und wo es am schönsten ist, Zeit mit dem Kameraden Pferd zu -verbringen. Beispielsweise lassen sich anhand des Alters der Reiter und Reiterinnen eindeutige Unterschiede hinsichtlich ihrer Motive für den Pferde-sport feststellen. Je älter die Reiter sind, desto wichtiger ist ihnen das -Naturerlebnis beim Reiten. Der leistungssportliche Gedanke und das Interesse an Turnierteilnahmen hingegen nimmt mit steigendem Alter ab.» 
Nahm Christian Weber in seinen Studien noch keine Differenzierungen in den verschiedenen Reitweisen vor, geht die Arbeit aus Göttingen auch diesen Fragen nach. Höchst aufschlussreich sind deshalb die daraus gewonnenen Resultate aus den verschiedenen Disziplinen. Von den Verfassern der Studie wurden die 2500 befragten Personen eingeteilt in Klassische Reiter, Distanzreiter, Westernreiter, Gangpferdereiter und Barockreiter. Auf die Frage «Turnier- oder Freizeitreiter? Oder beides?» wird geantwortet: «In allen Sparten der Reiterei finden sich Menschen, die aktiv an Turnieren und anderen Wettbewerben teilnehmen – und solche, die daran kein Interesse haben. Die Einteilung in die beiden Kategorien Freizeitreiter und Turnierreiter wird vielfach praktiziert und dient oftmals als Anlass für Diskussionen oder bildet die Grundlage für Vorurteile. Mittels der vorliegenden Befragung konnte jedoch noch eine weitere Gruppe Pferdesportler identifiziert werden: Viele Teilnehmer ordneten sich in der Mitte zwischen Freizeitreiter und Turnierreiter ein. Wir haben sie freizeitorientierte Reiter mit gelegentlicher Turnierteilnahme genannt. Diese Gruppe macht je nach Disziplin ein Viertel bis die Hälfte aller Pferdesportler aus. Es sollte ausserdem bedacht werden, dass der grösste Teil der Turnierreiter dem Reitsport ebenfalls in der Freizeit nachgeht und nicht zu den Berufsreitern zählt.»
Reitstil wird zur Lebensform
Zwar brauchen sie alle ein Pferd, Pony oder Esel, um das liebste Hobby auch ausführen zu können. Doch wären Pferde nur Pferde, hätte die Menschheit in den vergangenen 6000 Jahren nicht über 600 verschiedene Rassen für ihre Bedürfnisse herausgezüchtet. Auch wenn sich die Pferdesportdisziplinen leicht an zwei Händen abzählen lassen, jede von ihnen hat ihre spezielle Vergangenheit und Besonderheit, von welcher sich die Reiterinnen und Reiter angesprochen fühlen.
Wie verschieden die Vertreter der unterschiedlichen Reitweisen wahrgenommen werden wollen, lässt sich meistens mit blossem Auge erkennen. Wenn sich ein Oldenburger, Quarter, Araber, Freiberger oder Warmblut mit barocken, englischen oder neuzeitlichen Lifestyle-Attributen seines Besitzers anfreunden muss, sorgt das bei den Vierbeinern für wenig Stress. Zwischen den einem Reitstil zugehörigen Reiterinnen und Reitern kommt es in den wenigsten Ställen zu einer Multikulti-Zusammensetzung. Eine vom Englisch- in den Westernsattel umgestiegene Reiterin kennt die Berührungsängste unter den verschiedenen Reitweisen. Hätte sie den von landesüblichem Stil beherrschten Stall nicht gekannt, wäre sie mit ihrem Quarter Horse dort wohl kaum jemals eingezogen, hätte sie die Immigrantenrolle nicht eingenommen. Die Integration ist mittlerweile zwar bestens vollzogen, Western begleitet Klassisch auch gerne ins Gelände. Für aussenstehende Reiter dagegen scheint es schwer verständlich, wie sich in unterschiedlichen Sätteln nebeneinander entspannt ein Ausritt geniessen lässt…  
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