Auf seiner Homepage steht der Satz «Pferde sollen so geritten werden, wie Surfer eine Welle reiten». Das passt nicht nur gut zu dem Gedanken, wie Pferde gearbeitet werden sollen, sondern auch zu diesem Typen. In besagtem Kurs geht es um Freiarbeit, um Körpersprache im Roundpen. Die Menschen lernen beispielsweise, das Pferd genau zwischen zwei Stangen anzuhalten. Und sie lernen viel über sich: wie viel Druck nötig ist, um Leader zu sein, und wann sie sich zurückhalten müssen, um ihr Pferd nicht zu verschrecken. Es ist nicht so, als ob Eschbach der nächste Pferdeflüster-Guru sei. Im Kurs sieht man keine neue Methodik, keine Erleuchtung. Markus Eschbach macht einfach grundsolide Horsemanship-Arbeit.
Und die vermarktet er so geschickt, dass es schon wieder spannend ist, wo ein Pferdemensch das herhat. Vier Bücher hat er gemeinsam mit seiner Frau Andrea, die ebenfalls Pferdetrainerin ist, veröffentlicht. Dazu eine DVD produziert. Alle zielen auf das Gefühl ab: ein Band zum Pferd entwickeln. Viel Freude mit einem Pferd erleben, das ebenso viel Lust dazu hat.
Lange Zeit waren die Eschbachs «die aus Teneriffa». Sie lebten da, luden Gäste ein, veranstalteten Kurse. Inzwischen sind sie wieder zurück in der Schweiz. Das Paar gibt Kurse auf der Anlage «Farmer’s Place» in Kleindöttingen bei Baden. Sie laden auch Kollegen wie Alfonso Aguilar oder Peter Pfister als Kursleiter ein. Sie selbst fahren durch halb Europa, um Managerkurse, Dualaktivierungskurse und Freiarbeitskurse zu geben. Lässigkeit, eine vorbildliche Selbstvermarktung und ein Händchen für sowohl die Pferde als auch die Menschen – das macht den Namen Eschbach zur Marke.
Blut geleckt
Markus Eschbach ist 16, ein Jugendlicher aus dem Baselbiet. Seine Freundin setzt ihn auf einen Welsh Cob: das erste Reiterlebnis. Der Wallach ging ab mit ihm durch den Wald. Danach darf er nur noch auf ein «lungenkrankes Pferd». Doch in einer dieser Reitstunden «war das wie ein Flash: Ich dachte, ich MUSS reiten lernen», erzählt er. Es folgen Stunden in konventionellen Reitschulen.
Das Pferd
Auf einem Ausritt sieht er ein paar Jahre später ein Pferd aus der Ferne über die Wiese galoppieren. Eine weisse Araberpartbred-Stute. Er ist beeindruckt, die Reiter kommen kurz ins Gespräch. Damals arbeitete Markus Eschbach neben der Ausbildung zum Sozialpädagogen als Radiomoderator. Der Besitzer der Stute, Sheila hiess sie, rief beim Radio an, um Markus Eschbach wieder zu finden. «Ich habe das Gefühl, du musst mein Pferd reiten», sagte er. So erzählt es Markus Eschbach heute. Er selbst hatte das gleiche Gefühl. Er ritt Sheila, sie brachte ihm das Springen bei. Sheila war das Pferd, bei dem er das Gefühl hatte: Da ist mehr drin, als nur auf dem Rücken zu sitzen. Mit Pferden arbeiten kann anders gehen. Sie wurde irgendwann «von heute auf morgen verkauft, ich kam in den Stall und es hiess ‹Heute reitest du das letzte Mal›.»
Verkaufskarriere in Zürich
Markus Eschbach zieht nach Zürich. Er reitet den Hengst eines Bekannten, legt das Brevet ab. Für das Jugendmagazin «Musenalp-Express» verkauft er Anzeigen. «Einen Klienten habe ich ein Jahr lang bearbeitet, dass er eine Anzeige macht», erzählt Markus Eschbach. «Irgendwann hat er gesagt, ich solle hinkommen, er wolle jetzt eine Anzeige machen. Hinkommen! Das hätte er doch am Telefon machen können!» Markus Eschbach fährt zu der Plattenfirma. Der Chef der Firma bietet ihm einen Job an, es habe ihm imponiert, dass er nicht lockergelassen habe. Von da an sorgt Markus Eschbach für das Merchandising der Kelly Family, von Toni Vescoli und den Backstreet Boys in der Schweiz. Wer heute einen Kurs von Eschbach besucht, findet vielleicht einen Merkzettel, auf dem das Wort «NEIN» senkrecht hinunter geschrieben ist. Das «N» steht für «Noch», das «E» für «Ein», das «I» für «Impuls», das zweite «N» für «Nötig». Das ist ein Spruch aus der Werbebranche, erklärt Markus Eschbach: «Nein meint: Noch ein Impuls nötig.» Damals, als er noch Anzeigen und später Merchandising-Produkte verkaufte, bedeutete das: Will ein Kunde nicht kaufen, muss man ihn halt später noch mal erinnern. Heute, wenn er mit Pferden arbeitet, heisst es: «Ich muss die Energiestufe steigern oder die Frage noch mal stellen.»
Pacing & Leading
Eines der Kernthemen in Markus Eschbachs Kursen ist das «Pacing and Leading». Pacing ist Beziehungsarbeit und bedeutet in der Freiarbeit mit dem Pferd im Gleichschritt gehen, neben dem Pferd, die Schritte synchronisieren. Leading bedeutet Führen. Markus Eschbach sieht deutliche Parallelen dieses Themas in der Verkaufs und Pferdearbeit: «Wenn ich etwas verkaufen möchte oder einen Schüler habe, muss ich ja auch pacen», sagt Markus Eschbach. «Nett sprechen, Sympathie, eine Beziehung aufbauen: Das ist alles Pacing.» Und auch beim Verkauf käme dann irgendwann die andere Ebene hinzu: «Sobald ich sage: ‹Ich habe da noch ein anderes Angebot für Sie›, dann führe ich. Oder im Falle Pferd: ‹Ich hätte jetzt gern, dass du in den Anhänger läufst.›»
In seinen Managerkursen, die er bis in die Türkei abhält, ginge es auch oft um diese Themen. «Da geht denen in der Arbeit mit dem Pferd etwa auf: Du bist ein guter Pacer, ein guter Freund der Leute». Nur bestünde bei diesem Typ Mensch die Gefahr, dass man zu wenig führe, dass alle denken «Das ist ja ein Netter, da muss ich ja gar nichts tun». Das Hineinfühlen, das sei ihm selbst immer leichtgefallen. Und da sei wieder eine Parallele zwischen dem Sozialen und den Pferden: «Pferde analysieren ganz schnell, ob du ein guter Führer bist oder zum Beispiel zu hektisch. Genau wie Kinder im Heim – es ist deren einzige Überlebenschance, zu sehen: Wie ist der andere drauf?»
Teneriffa
Eschbachs Eltern sind zuvor nach Teneriffa ausgewandert. Das ist für ihn die Lösung: 1998 macht er sich auf der Finca der Eltern selbstständig. Lädt bei einer Preisverleihung noch die Backstreet Boys dorthin ein (die aber nie kamen). Fährt nach Spanien, kauft dort Pferde ein. Einige der Eschbach-Kurspferde sind noch aus dieser Zeit dabei: Moraleja, Llelena, Fabiola, Lucero, Maguiro, Nube, Pio.
Die Idee funktioniert. Er führt Trekking-Ritte, gibt Kurse und lädt andere Trainer ein. GaWaNi Pony Boy, der mit seinem Buch «Horse, Follow Closely» eine Zeit lang sehr populär war, wird ein wichtiger Lehrer für Eschbach. Für seine erste Demo bei Markus Eschbach hat er ein schwieriges Pferd von der Insel organisiert. Nach zwei Stunden Roundpenarbeit und vielen Pausen konnte man das Pferd wieder anfassen. «Das hatte ich live zuvor nicht gesehen. Ich wusste, das ist echt, denn ich kannte das Pferd ja.»
Back to Switzerland
Sie planen, Kurse für Bulimiekranke zu organisieren, um zu zeigen, was Pferde für Kranke tun können. Eine Idee von vielen, die sie noch umsetzen wollen. Der Satz mit den Pferden, die so geritten werden wollen, wie ein Surfer Wellen reitet, geht übrigens so weiter: «Der Surfer zwingt die Welle nicht, er will sie nicht verändern. Er lernt einfach, wie er sie reiten kann.»
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