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Zottelige, verwahrloste Ponys, mit einer Kette angebunden in einem schmalen dunklen Stand ohne Kontakt zu Artgenossen: Solche Bilder sorgten vor einigen Jahren für grosses Aufsehen in den Schweizer Medien. In der Zwischenzeit hat sich in Sachen Pferdehaltung viel getan. Das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) erarbeitete Richtlinien zur artgerechten Pferdehaltung. 2008 dann trat die neue Tierschutzverordnung in Kraft. Und mit ihr eine Flut neuer Gesetze. Einstreu wurde obligatorisch, Anbindehaltung und Stacheldraht wurden verboten und die Boxengrösse genau definiert. Auch die Einzelhaltung von Pferden gehört der Vergangenheit an. «Es ist ein deutlicher Trend zu einer besseren Pferdehaltung zu erkennen», sagt die Tierärztin Lydia Baumgarten. Sie ist von der Schweizerischen Tierschutzgesellschaft STS für den Fachbereich Pferde zuständig. Natürlich gebe es einzelne Pferdehalter, die sich nicht ans Gesetz hielten. Dies seien aber Ausnahmen. Dem pflichtet das Bundesamt für Veterinärwesen zu. «Die Besitzer sind heute gut über die Bedürfnisse ihrer Pferde informiert», sagt Mediensprecherin Regula Kennel. Zum einen zeigen die neuen Gesetze ihre Wirkung, zum andern haben der Bund und die Tierschutzorganisationen viel Aufklärungsarbeit geleistet. Doch auch der Wandel der Branche spricht für die Pferde. Waren Pferde früher noch viel mehr Nutztier, sind sie heute zum Partner geworden. «Horsemanship ist kein Fremdwort mehr», betont Iris Bachmann, Pferdeexpertin am Schweizerischen Nationalgestüt Avenches.

Ausbildungskurse boomen

Einen Grund für die zunehmende Sensibilisierung sehen die Experten in der Ausbildungspflicht, die seit 2008 mit Inkrafttreten der neuen Tierschutzverordnung herrscht. Jeder, der mehr als zehn Pferde gewerbsmässig hält, muss sich entsprechend ausbilden: Entweder ist er schon Landwirt, Pferdewirt, Bereiter oder etwas Ähnliches oder er besucht einen einjährigen Lehrgang.
Seit fünf Jahren nun bietet das Schweizerische Nationalgestüt diese Obligatorischen Pferdehalterkurse an. Und das Interesse daran ist riesig: «Wir könnten die einjährigen Kurse doppelt oder dreifach führen», sagt Bachmann. Dabei nehmen nicht nur Pferdehalter daran teil. «Manche haben noch gar keine eigenen Pferde, sondern wollen sich schon vor der Anschaffung eines Vierbeiners über deren Bedürfnisse informieren. » In dem 22 Tage dauernden Kurs lernen die Teilnehmer von der Haltung bis hin zur Zucht alles über die Vierbeiner. Diese Weiterbildungen für Pferdehalter haben einen doppelten Effekt: Zum einen werden die Halter selbst sensibilisiert, zum andern tragen sie ihr Wissen aber auch in die Ställe.
Auch für die eintägigen Pferdehalterkurse (Pflicht für alle mit mehr als fünf Pferden) herrscht beim Nationalgestüt rege Nachfrage – und zwar nicht nur bei Pferdebesitzern. «Dieses Interesse an Aufklärung zeigt, dass artgerechte Haltung vielen Pferdeliebhabern am Herzen liegt», so Bachmann.

Wann schadet eine kandare?

Die Experten sind sich deshalb einig: Die Schweiz gehört in Sachen Pferdeschutz im internationalen Vergleich zu den Spitzenreitern. Doch mit grossen Boxen, hellen Ställen und grünen Weiden allein ist es nicht getan. Das Pferd ist heute Freund, Sportgerät und Vorzeigeobjekt in einem. Entsprechend wird es von einigen Besitzern auch behandelt. «Beim Gebrauch der Pferde müssen die staatlichen Kontrollen verbessert werden», sagt Kennel vom BVET. Dem stimmen sowohl Baumgarten vom Tierschutz STS wie auch Bachmann vom Nationalgestüt zu.
Einfach ist dies indes nicht: Anders als in der Haltung, wo man Boxengrösse normieren und Sozialkontakt vorschreiben kann, ist es im Umgang schwieriger, exakte Gesetze zu defi nieren. Eine Kandare in der richtigen Hand schadet nicht – in der falschen richtet sie jedoch Schlimmes an. Ein zu nettes Verhalten kann gegenüber einem dominanten Pferd schwerwiegendere Folgen haben als ein konsequentes Durchgreifen. Und einem Springpferd sieht man im Concours nicht an, ob es im Training gebarrt oder mit sonstigen unerlaubten Hilfsmitteln gefügig gemacht wurde. «Das macht die Kontrolle viel schwieriger», sagt Bachmann.
Wichtig ist der Expertin die Ausbildung der Pferde – da, wo mit Geduld und Gefühl der Grundstein für einen glücklichen Vierbeiner gelegt wird. Mit einer Schnellbleiche kann jedoch viel zerstört werden. Für Bachmann ist klar: «Militärische Ausbildungsmethoden, die den Willen des Pferdes brechen sollen, sind out.» Das kommt nicht nur dem Pferd zugute: «Mit gegenseitigem Vertrauen können Unfälle vermieden werden.» Dies ist nötig, verunfallen doch in der Schweiz laut einer Studie des Bundesamtes für Unfall bfu jährlich 6600 Personen im Pferdesport. Ein Pferd, das seinem Reiter vertraut und ihn akzeptiert, scheut weniger, bockt weniger und steigt nicht.

Sportverbände sind gefordert

Doch wie lässt sich ein argerechter Umgang mit Pferden vom Hobbyreiter bis zum Spitzenreiter durchsetzen? Hier setzt die Pferdefachfrau auf eine möglichst breite Aufklärung. Es sei wichtig, immer wieder über die Ethik des Pferdes zu reden und öffentliche Diskussionen zu fördern – vor allem auch im Pferdesport. «Es gibt Reiter, die gehen für Gewinne sehr weit. Das darf nicht sein», betont Bachmann. Für die Pferdeexpertin ist klar: «Hier sind die Sportverbände in der Verantwortung.»
Der Schweizerische Pferdesportverband SVPS ist sich dessen bewusst: «Fairer Pferdesport hat für uns oberste Priorität », sagt Mediensprecherin Angelika Nido. Der Verband macht ihres Erachtens genug, um seine Mitglieder zu sensibilisieren. «Wir setzen in erster Linie auf aufklärende Information mit entsprechenden Artikeln im verbandeigenen Publikationsorgan.» Zurzeit laufe eine Artikelserie zum Thema Ethik. Ob dies den gewünschten Einfluss auf die Reiter hat, zeigt sich spätestens im Sommer, wenn Pferd und Reiter wieder um Siege kämpfen – hoffentlich mit fairen Bandag

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