Grundsätzlich gilt es bei der Stallwahl folgende Kriterien zu beachten:
- Entscheidend für die Gesundheit der Tiere ist eine gute Haltung. Dabei sind nicht nur geeignetes Futter und ausreichend Wasser wichtig, sondern auch viel Bewegung und Sozialkontakte. Von grosser Bedeutung ist auch der Umgang des Stallbesitzers mit dem Pferd.
- Pferde bewegen sich von Natur aus viele Stunden zur Nahrungsaufnahme. Dabei ist die Gesellschaft weiterer Pferde für sie besonders wichtig. Pferde brauchen zudem viel Licht und frische Luft.
- Stundenlange Nahrungssuche über weite Strecken im Schutz der Herde. Dieses natürliche Verhalten muss domestizierten Pferden zumindest ansatzweise durch regelmässigen Weidegang ermöglicht werden.
- Pferde ruhen mehrmals täglich für jeweils kurze Zeit. Um ihre normalen Ruhehaltungen einnehmen zu können, brauchen sie im Stall ausreichend Platz zum Liegen.
- Pferde brauchen täglich etwa 20 bis 60 Liter Wasser. Der Zugang zu frischem Wasser muss für die Tiere jederzeit möglich sein.
- Trächtige Pferde sollten ungestört abfohlen können. Für die Fohlen ist der Kontakt zur Mutter und zu Artgenossen wichtig.
- Pferde sollten in Gruppen leben können. Sozialkontakt ist für das Flucht- und Herdentier Pferd sehr wichtig, denn die Herde verleiht ihm Sicherheit. Die Haltung von Pferden ohne Kontakt zu anderen Pferden ist nicht artgerecht und deshalb verboten. In freier Wildbahn leben Pferde in kleinen Gruppen, die wiederum locker zu einer Herde verbunden sind. Der Umgang der Tiere untereinander ist durch eine mehr oder weniger feste Rangordnung geregelt.
Ohne Vitamin B läuft wenig
Sobald diese grundlegenden Kriterien erfüllt sind, kommen die individuellen Bedürfnisse von Ross und Reiter ins Spiel. Annas Big Ben ist ein Springpferd. Daher möchte Anna auf keinen Fall, dass Big Ben in einem Offenstall mit Gruppenhaltung steht. Die Verletzungsgefahr sei ihr zu gross, begründet die junge Reiterin. Am liebsten wäre ihr ein Stall mit Paddock und nach Bedarf Weidegang. Weiter wünscht sie sich eine Reitanlage mit Halle sowie Führanlage. Und natürlich professionelles Personal. «Wenn ich möchte, dass mein Pferd weniger oder mehr Heu zu fressen kriegt, soll dies auch so ausgeführt werden. Ich will mich auf das Wort meiner Pensionsgeber verlassen können.»
Das sind Worte aus dem Mund eines gebrannten Kindes. Denn in der Vergangenheit erhielt Big Ben nicht immer die Betreuung, welche sich Anna vorgestellt hatte. Ein Ärgernis. Immerhin bezahlte sie, die in einem eher ländlichen Kanton zuhause ist, jeweils zwischen 700 bis 900 Franken pro Monat an ihre Pensionsgeber. «Bei solchen Kosten sollten der Service und die Leistung einfach stimmen», sagt Anna.
Als die Suche losgeht, fragt Anna Freunde um Tipps und nutzt fleissig das Internet. Kommt ein Stall in Frage, schaut sie sich ihn vor Ort an. Eine Tour de Stall habe sie absolviert, sagt die Brünette und schmunzelt. Ihr Fazit: grosse Reitbetriebe, dunkle Ställe und oft eine für Ausritte ungünstige Umgebung. Anna ist ernüchtert. Auf die Frage, ob denn wirklich gar nichts Passendes dabei gewesen sei, verwirft die temperamentvolle Frau die Hände. Natürlich, einen hätte es gegeben, aber da kostet die reine Pension, ohne Führanlage und Weide, schon 1500 Franken. «Mein Big Ben ist leider kein Goldesel», meint Anna und lacht. So kann sie sich diesen Platz bei ihrem Gehalt von 5000 Franken nicht leisten. Und überall dort, wo es ihr gefallen würde, sind alle Boxen bereits belegt.
Nun ist sie an diversen Orten auf der Warteliste. In einem Stall setzt man sie sogar erst auf Platz sechs. «Da hat man ja nie im Leben eine Chance für eine Boxe.» Als sie ein Kind war, sah die Situation noch ganz anders aus. «Entweder man stallte bei einem Bauern ein oder beim nahegelegenen Reitstall», erinnert sie sich. Viel mehr Möglichkeiten habe es damals noch nicht gegeben. Natürlich gibt es diese Variante auch heute noch. Nur gibt es heute Orte, die mehr bieten. Darauf will Anna nicht verzichten. «Ich weiss, was ich will, da möchte ich keine Abstriche machen.»
Schliesslich spielt das Glück seine Karten aus und Anna bekommt nach vier Monaten Suche sozusagen durch Vitamin B ein Angebot von einem Stallbesitzer. «Es ist wie in der Berufswelt. Ohne Connections geht heute sogar beim Hobby nichts mehr», meint die Pferdebesitzerin und strahlt. Big Ben wohnt nun in einer grossen Boxe mit Paddock und kann täglich auf die Weide. Und Anna freut sich über die helle Halle, den grosszügigen Aussenplatz und die netten Leute im Stall.
4 TIPPS FÜR DIE OPTIMALE STALLSUCHE
- Machen Sie sich eine Liste, worauf Sie nicht verzichten möchten
- Nutzen Sie Ihre Kontakte, denn unverhofft kommt oft
- Internet-Recherche lohnt sich, viele Ställe haben eine eigene Homepage
- Schauen Sie sich die Ställe persönlich an, der erste Eindruck zählt
text Lucrecia Salis
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