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Entzündungen als Folge

In den letzten Jahren hat die Kotwasser- Problematik zugenommen. Doch was genau ist Kotwasser eigentlich? «Kotwasser ist nicht im Kotballen gebundenes Wasser», erklärt Dr. Ingrid Vervuert, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik an der Universität Leipzig. Der Kot hat dabei, anders als bei Pferden mit Durchfall, eine normale Konsistenz. Es wird jedoch zusätzlich vor, während oder nach dem Äpfeln Flüssigkeit abgesetzt. «Das Pferd ist nicht im eigentlichen Sinne krank», betont Dr. Vervuert. «Die Nährstoffversorgung ist normalerweise nicht betroffen. Lediglich bei alten Pferden, wo der Kauvorgang aufgrund von Zahnproblemen gestört sein kann, hat dies dann auch Konsequenzen für die Verdaulichkeit von Nährstoffen.» Durch das Kotwasser verschmutzen der Schweif sowie die Haut an After und Hinterbeinen. Das Pferd muss täglich abgewaschen werden, was für den Besitzer einen erheblichen Aufwand bedeutet. Andernfalls besteht ein erhöhtes Risiko, dass es zu Hautirritationen, Ekzemen oder Entzündungen kommt. 

Risikofaktor Veränderung 

Die Ursachen für die Problematik sind noch nicht vollständig bekannt. Klar ist jedoch, dass verschiedene Faktoren das Auftreten offensichtlich begünstigen. Dr. Ingrid Vervuert berichtet, dass in der Wissenschaft verschiedene Gründe diskutiert werden, besonders Silagefütterung, Stress, Rangordnung in der Herde, Parasiten und Zahnprobleme. Das Ins titut für Tierernährung der LMU München führte bereits im Jahr 2009 eine Studie zu den Faktoren durch, die bei Pferden mit Kotwasser besonders häufig eine Rolle spielen. Per Annonce wurden 50 Besitzer betroffener Pferde ermittelt und interviewt. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass zum Beispiel ein erhöhter Kraftfutteranteil zu einer Verbesserung führen kann, da der Kot dadurch trockener wird. Die häufi g empfohlene artgerechte Haltung mit überwiegend Raufutter schien das Kotwasser hingegen zu begünstigen – wie bei Merlin. Eine weitere wichtige Rolle scheint die soziale Stellung eines Tieres zu spielen. Laut Studie haben rangniedrige Pferde ein erhöhtes Risiko, ein Kotwasserproblem zu entwickeln. Ausserdem trete bei vielen Tieren die Problematik erstmals in zeitlichem Zusammenhang mit Veränderungen im Umfeld auf, also vor allem Gruppen- oder Stallwechsel. Merlin hatte gerade den Stall gewechselt – bei ihm war das jedoch nicht die Ursache des Kotwassers, denn er ist laut Jutta Clemens selbstbewusst und konnte stets seinen Platz in der Herde behaupten. Für die These spricht aber, dass die Gruppenhaltung in Offenställen in den letzten Jahren zugenommen hat, parallel mit der Häufung von Kotwasserfällen. So ergab die Studie eindeutig, dass das Problem bei Pferden in Gruppenhaltung öfter vorkommt als bei Pferden in Boxenhaltung. Das Gleiche gilt für Rangniedrige und Ranghohe: Tiere, die das Schlusslicht der Herde darstellen, tragen ein 17,9-faches Risiko für die Genese von Kotwasser. Ähnlich ist das Verhältnis zwischen futterneidischen und nicht futterneidischen Pferden (4,4-mal häufiger betroffen). Stress kann ihnen also im sprichwörtlichen Sinne auf den Magen schlagen. 

Wallache sind häufiger betroffen 

Interessanterweise gibt es noch andere Gemeinsamkeiten. So sind Schecken und Tinker deutlich anfälliger als andere Pferde; ihr Anteil lag bei rund 30 Prozent. Wallache sind dreimal so häufig betroffen wie Stuten, was vermutlich wiederum mit ihrer vergleichsweise niedrigen Position in der Rangordnung in Zusammenhang steht. Ziel sollte es also in jedem Fall sein, den Sozial stress für die Pferde so niedrig wie möglich zu halten. Häufiger Weidegang, genügend Ausweichmöglichkeiten und möglichst harmonische Gruppen können helfen. Auch sollten Boxen getauscht werden, wenn zwei benachbarte Pferde sich nicht mögen. 

Die besondere Rolle der Zähne 

Generell ist bei jedem Pferd, bei dem Kotwasser auftritt, Ursachenforschung angesagt – auch wenn es sich um die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen handelt. Im Fall von Merlin verstrichen fast zwei Jahre, bis Jutta Clemens die für ihn richtige Therapie entdeckte. «Alle Massnahmen können helfen oder auch nicht», warnt Dr. Vervuert. «Trotzdem haben sich aus meiner eigenen Beratung bestimmte davon bewährt.» Eine besonders wichtige Rolle scheinen dabei die Zähne zu spielen. «Aus einer aktuellen Dissertation ergibt sich der Hinweis, dass Pferde mit freiem Kotwasser häufiger Probleme mit den Zähnen haben», berichtet Dr. Vervuert. «Das Heu kann nicht ausreichend gekaut werden, und die längeren Partikel im Darm binden eventuell schlechter Wasser.» Deshalb sollten die Zähne dringend von einem Arzt kontrolliert und gegebenenfalls saniert werden. Ausserdem sollte die Fütterung angepasst werden, da bestimmte Faktoren Kotwasser eindeutig begünstigen. «Falls Silage gefüttert wird, sollte man schleunigst zu Heu wechseln», rät Dr. Vervuert. Die Stickstoffverbindungen und der hohe Wassergehalt in der Silage können Flüssigkeit mit sich ziehen. Bei der Fütterung mit Heu ist dringend auf die Qualität zu achten. Vorsicht mit stark verholztem Heu! In einigen Fällen – wie bei Merlin – kann es auch helfen, die Heumenge zu reduzieren. Eine Umstellung auf mehrere Mahlzeiten (statt unbegrenzter Zugang zum Raufutter) kann den erwünschten Erfolg bringen. 

Geheimtipp Bierhefe 

Auch Dr. Vervuert empfiehlt, die Heumenge auf 1,2 bis 1,5 Kilogramm Heu/100 Kilogramm Körpermasse pro Tag zu begrenzen. Dafür könne – bei Pferden, die nicht zu dick sind oder mit Verstopfung reagieren – der Kraftfutteranteil etwas erhöht werden. Dem Kot wird so Wasser entzogen. Aber: Zu grosse Mengen sind wiederum schädlich. Viele Pferde vertragen zu viel kohlehydratreiche Futterkomponenten nicht. Sie reagieren mit einer Übersäuerung des Stoffwechsels und Gärungen beziehungsweise Koliken im Darm. Die Zusammenstellung des Futters sollte also unbedingt den Leistungsanforderungen und Bedürfnissen des Pferdes angepasst werden. Freizeitpferde, die nicht jeden Tag geritten werden und keine Höchstleistungen erbringen müssen, benötigen dementsprechend weniger Futter. Die Rationsberechnung erfolgt auf der Basis des genauen Körpergewichts. Als Futterzusatz schwört Dr. Vervuert auf die Zugabe von Bierhefe (50 Gramm/100 Kilogramm Körpermasse) und/oder Luzerne (50 bis 100 Gramm/100 Kilogramm Körpermasse). Ob die Massnahmen greifen, zeigt sich oftmals erst nach einigen Wochen. Weitere Gründe für Kotwasser können Parasitenbefall, Medikamente oder eine vermehrte Aufnahme von Sand sein. Das Pferd sollte deshalb konsequent alle zwei bis drei Monate entwurmt werden, da die Parasiten auf Dauer den Darm schädigen können. Antibiotika können – wie beim Menschen – die Darmschleimhaut angreifen und Durchfälle und Kotwasser auslösen. Auch Sand, den die Pferde auf abgegrasten Weiden oder im Paddock fressen, kann bei empfindlichen Pferden unerwünschte Folgen haben. Letztendlich helfen bei der Suche nach der Ursache nur Geduld – und das beruhigende Wissen, dass Ihr Pferd nicht ernsthaft krank ist.
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