Das schafft nur ein Hollywood-Drehbuch oder die Realität im Spitzensport: Im allerletzten Springen seiner langen Karriere gewann der 18 Jahre alte Holsteinerhengst Casall ASK mit seinem Reiter Rolf-Göran Bengtsson die fünfte Etappe der Longines Global Champions Tour in Hamburg. Und dies mit riesengrossem Vorsprung. So, wie sich das eben für dieses Jahrhundertpferd gehört, das im vergangenen Jahr schon die Gesamtwertung der höchstdotierten Serie der Welt für sich entscheiden konnte. Alle, Zuschauer, Konkurrenten und Pferdefreunde von überall her drückten die Daumen – und es wurde wahr. Tausende von Zuschauern feierten das Pferd und wollten nicht mehr aufhören zu jubeln. Mit fehlerfreier Runde in 42,69 Sekunden liessen die beiden Sieger dem Niederländer Harrie Smolders und Don VHP keine Chance und hatten im Stechen mehr als zwei Sekunden Abstand. Dritter wurde Christian Ahlmann nach ebenso fehlerfreier Runde. Das letzte Preisgeld in Höhe von 99 000 Euro war eine schöne Belohnung, doch die Anerkennung aller war gefühlt ebenso viel wert.
Im Anschluss an die Siegerehrung wurde das Jahrhundertpferd feierlich verabschiedet. Was für eine Dramaturgie! Gänsehaut und feuchte Augen bei tausenden von Zuschauern in Erwartung noch vor dem abschliessenden Sieg und frenetischer Jubel bei der anschliessenden Siegerehrung und der Abschiedszeremonie.
Zuvor fand die fünfte Etappe der Global Champions League statt. Scott Brash und Denis Lynch vom Team Miami Glory blieben als einziges Team in beiden Runden fehlerfrei. Sie siegten im Mannschafts-Wettbewerb vor Chantilly Pegasus mit Martin Fuchs und Lauren Hough und Doha Fursan Qatar (Sheik Ali Al Thani, Bassem Mohammed).
Das 88. Deutsche Spring-Derby ging an den Aussenseiter Pato Muente mit der zehnjährigen Holsteinerstute Zera. Er ist ein echter Weltbürger mit drei verschiedenen Reisepässen, dem argentinischen, dem amerikanischen und dem slowenischen, für letztere Nation startet Pato Muente und siegte: «Als gebürtiger Südamerikaner hier in Deutschland, in Hamburg als Derby-Sieger in der Pressekonferenz zu sitzen… ich kann es eigentlich noch gar nicht fassen.» Die Plätze zwei und drei gingen an die Deutschen Claus Dieter und Nisse Lüneburg, der das Derby 2012 und 2014 gewonnen hatte.
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