Paris 2024: Olympia-Format für Pferdesportdisziplinen besiegelt

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Olympia 2024: Der umstrittene Teammodus bleibt. (© Can Stock Photo / shariffc)

SVPS. An der Generalversammlung des Pferdesport-Weltverbands FEI im belgischen Antwerpen wurde gestern über das Olympia-Format im Pferdesport für Paris 2024 abgestimmt. Trotz der engagierten Rede von Steve Guerdat an der Vorbereitungssitzung der Generalversammlung und dem offenen Widerstand von einigen nationalen Föderationen (NFs) wie dem Schweizerischen Verband für Pferdesport (SVPS) wird für die nächsten Olympischen Spiele weitgehend am umstrittenen Format von Tokyo 2020 festgehalten.

Schon lange vor den Olympischen Spiele von Tokio (JPN), als erstmals die Anpassung der Formate zur Diskussion stand, wurden kritische Stimmen laut, die auf die Gefahren des neuen Formats mit nur drei Reitern pro Team aufmerksam machten. Nichtsdestotrotz entschied die FEI zugunsten des umstrittenen Formats mit Dreierteams für die Olympischen Spiele in Japan. Leider bewahrheiteten sich die Befürchtungen vor allem im Springen vor laufender Kamera: Es kam am Weltfest des Sports zu unschönen Bildern in der Reitsportarena, die nicht nur in den allgemeinen Medien breitgeschlagen wurden, sondern insbesondere Fragen zu Pferdewohl und Ethik im Pferdesport aufwarfen.

Vor der Abstimmung an der FEI-Generalversammlung ergriff dann der Schweizer Springreiter Steve Guerdat als Vertreter des International Jumping Riders Club (IJRC) das Wort und nahm kein Blatt vor den Mund, um den Vertreterinnen und Vertretern der anwesenden NFs seine Sichtweise als Reiter darzulegen. Im Rückblick auf die Olympischen Spiele von Tokyo 2020 nannte er insbesondere zwei entscheidende Schwächen des angewandten Wettkampfformats: «Zum einen kam es zu Konflikten mit dem Pferdewohl: Wir sahen zu viele unschöne Bilder von Reitern, die nicht das Niveau für Olympische Spiele hatten. Zum anderen bin ich der Überzeugung, dass ein Reiter niemals in die Situation kommen darf, dass er seinen Parcours beenden muss – genau das aber passiert mit dem neuen Format: Beendet der Reiter seine Runde nicht, scheidet das Team aus.»

Trotz dem Appell verschiedener renommierter Reiterinnen und Reiter und der dezidierten Positionierung der NFs erfolgreicher Pferdesportnationen wie der Schweiz, Deutschland, Irland, Frankreich oder der Niederlande konnte sich die Rückkehr zum früheren Olympia-Format mit vier Pferd-Reiter-Paaren nicht durchsetzen. Am Ende lautete das Abstimmungsergebnis 30 zu 70 bei einer Enthaltung. Somit wird es auch in Paris 2024 in allen olympischen Pferdesportdisziplinen Dreierteams im Mannschaftswettbewerb geben.

Die SVPS-Geschäftsführerin Sandra Wiedmer, die in Antwerpen die Stimme der Schweiz vertrat, äusserte sich nach der Abstimmung enttäuscht: «Leider war dieses Abstimmungsresultat so zu erwarten gewesen. Bereits im Vorfeld der GV waren die Nationen, die Viererteams bevorzugen, in der krassen Minderheit. Ausserdem wurde kommuniziert, dass der Reitsport nur olympisch bleiben könne, wenn sich Dreierteams und somit mehr Nationen qualifizieren können. Die Diskussion war jedoch sehr wichtig und wird auch in die weiteren Entscheidungen einfliessen, damit das sportliche Niveau der Teilnehmenden durch entsprechende Mindestanforderungen für die Qualifikation (Minimum Eligibility Requirements, MER) sichergestellt wird.» Die Stimmen für die Dreierteams an den Olympischen Spielen stammten grossmehrheitlich von Ländern, die im Pferdesport noch nicht mit der Weltspitze mithalten können und sich mit diesem Format grössere Chancen auf eine Olympia-Teilnahme ausrechnen.

An der gestrigen FEI-Sitzung wurde lediglich entschieden, wie die Quoten für die Nationen je nach Ländergruppe erreicht werden können. Alle Details zum Wettkampfformat und die konkreten MER, d. h. die Kriterien, welche die Athletinnen und Athleten, die eine NF nominieren kann, erfüllen müssen, werden nächstes Jahr diskutiert.

Auch Nayla Stössel, die im SVPS-Vorstand für internationale Angelegenheiten zuständig ist und der FEI-GV ebenfalls beiwohnte, kommentiert das Dilemma der FEI so: «Im Endeffekt ist es ein Zielkonflikt zwischen dem Anspruch des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf Universalität und dem Anspruch der grossen Reitsportnationen auf Top-Sport. Öffnet sich die Schere des Leistungsniveaus der Olympiateilnehmenden zu sehr, sinkt entweder die sportliche Qualität oder es wird wahnsinnig anspruchsvoll für den Parcoursbauer im Springen und Eventing, allen Reiterinnen und Reitern gerecht zu werden. Werden die MER aber hoch angesetzt, wird das vom IOC definierte Ziel der Universalität nicht erreicht, da schwächere Pferdesportnationen die Leistungsanforderungen an ihren Quotenplatz nicht füllen können.»

Auch wenn die Frage des Teamformats für Paris 2024 nun definitiv entschieden ist, werden die Details bezüglich der Mindestanforderungen für eine Olympia-Teilnahme sowie die Anforderungen im olympischen Wettbewerb selbst in den kommenden Wochen und Monaten noch einiges an Gesprächsstoff bieten.

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