Das Pferd, Nutz- oder Heimtier?

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Schweizer Pferdezucht, Fohlen. © Can Stock Photo / goce

Der Anteil von Pferden, die auf der zentralen Datenbank des Bundes www.agate.ch im Status als «Heimtier» deklariert werden, nimmt stetig zu und hat aktuell einen Wert von 48% erreicht. Dieser Umstand kann mittel- bis langfristig über die Agrarpolitik, die Raumplanung, das Steuerwesen, die Veterinärmedizin oder die Ethik Einfluss auf die Pferdebranche der Schweiz haben. Vor diesem Hintergrund organisierte das Bureau des COFICHEV ein Symposium zum Thema «Das Pferd, Nutz- oder Heimtier?»

Rund 40 eingeladene Personen aus allen relevanten Bereichen der Schweizer Pferdebranche diskutierten in drei Gesprächsrunden die verschiedenen Aspekte dieser Fragestellung. Die Problematik wurde dabei aus rechtlicher, wirtschaftlicher und sozial/ethischer Sicht beleuchtet. Bereits das Eröffnungsreferat von Svetlana Erb zeigte deutlich, dass der Entscheid, ein Pferd vom Nutztier in ein Heimtier um zu deklarieren, oft von Unwissenheit und falschen Vorstellungen geprägt ist. Mittels einer Umfrage hatte sie bei Pferdebesitzern die Gründe und Einflussfaktoren für den Statusentscheid sowie den Wissensstand zu diesem Thema untersucht. In der folgenden, teilweise sehr angeregten Diskussion, die professionell durch Lea Wertheimer moderiert wurde, zeichnete sich schnell ab, dass die Frage ob Heim- oder Nutztier sich für das Einzeltier schnell beantworten lässt. Aber die mittel- und langfristigen Auswirkungen der aktuellen Entwicklung auf die gesamte Pferdebranche gestalten sich sehr viel komplexer und werden dabei auch stark von gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflusst.

Das Symposium identifizierte die folgenden Hauptprobleme bzw. Handlungsbedürfnisse:

  • Abgesehen von der Möglichkeit der Verwertung oder Nichtverwertung des Fleisches von Pferden, die als Nutztiere in der menschlichen Nahrungskette deklariert sind (und den damit verbundenen Massnahmen), sollte es keinen Unterschied in der Behandlung zwischen den beiden Tierkategorien
  • Die Bezeichnungen «Heimtier / Nutztier» müssen angepasst vereinheitlicht werden. Dabei sind die Begrifflichkeiten rund um den Schutz der menschlichen Nahrungskette (Tierarzneimittelverordnung TAMV) von den Begrifflichkeiten im Kontext der Landwirtschaft und der Tierschutzgesetzgebung zu trennen.
  • Das Pferd muss seinen angestammten Platz in der Landwirtschaft behalten. Die Pferdehaltung generiert einen wichtigen Teil an das Einkommen der landwirtschaftlichen Bevölkerung unabhängig vom Status des Pferdes in Bezug auf die mögliche Verwendung in der Nahrungskette des Menschen.
  • Der Entscheid zur Umdeklarierung eines Pferdes vom Nutztier zum Heimtier wird stark von den Emotionen seines Besitzers beeinflusst. Dabei existieren oft falsche Vorstellungen über die tatsächlichen Folgen des Entscheids oder es herrscht Unkenntnis über die möglichen Alternativen bei der Beibehaltung des Nutztierstatus. Die Kommunikation muss diesbezüglich verbessert werden.
  • Der Besitzer, der über die Umdeklarierung zum Heimtier bestimmt, ist oft nicht die gleiche Person, die am Ende des Equidenlebens den Entscheid über die Art des Abschieds vom Kameraden Pferd trifft (Schlachtung oder Euthanasie).
  • Es bestehen heute kaum Anreize, ein Pferd im Status des Nutztieres zu belassen. Das tägliche Management von Equiden, die als Nutztier eingetragen sind, ist administrativ aufwendiger und damit auch teurer. Die nötige Aufklärung bezüglich der Folgen bzw. der Möglichkeiten einer Umdeklarierung liegt oft beim behandelnden Tierarzt. Eine Umdeklarierung als Heimtier eröffnet neue Behandlungsmöglichkeiten und entbindet von der «lästigen Pflicht» der Führung des Behandlungsjournals.
  • Der Halter des Equiden ist verantwortlich für das Führen des Behandlungsjournals. Der Eigentümer bestimmt über den Status des Tieres. Eine Harmonisierung der Meldepflichten ist angezeigt.
  • Pferde im Status Heimtier müssen beim Import auch in der Schweiz als Heimtier registriert Es fehlt eine Kontrolle dieser Registrierungspflicht des Eigentümers.
  • Tierärzte müssen eine Euthanasie und Metzger eine Schlachtung korrekt ausführen, sonst kommt es am Lebensende eines Tieres zu unnötigem Leiden. Beide Formen des Abschieds vom Pferd haben ihre Vor- und Nachteile. Eine offene Information und vorurteilsfreie Diskussion zu diesem Thema haben aktuell noch nicht die Bedeutung, die einer respektvollen Beziehung zum Partner Pferd gerecht wird.
  • Pferdefleisch aus der Schweiz ist eine gute Alternative zu Importen aus dem Ausland, bei denen die Haltungs-, Transport- und Schlachtbedingungen oft nicht den Schweizer Standards entsprechen. Schweizer Pferdefleisch sollte von einer besseren Vermarktung profitieren,
    insbesondere auch bezüglich der weniger wertvollen Fleischteile, um eine möglichst vollständige Nutzung der geschlachteten Tiere zu erreichen. Ausserdem ist die Verwendung von Tieren, die für Zucht, Erholung oder Sport weniger geeignet sind, eine wesentliche Einnahmequelle für die Züchter. Dabei können Hofschlachtungen bei Pferden eine sinnvolle Verbesserung bezüglich dem Tierwohl beim Schlachten darstellen.

Einigkeit herrschte bei allen Teilnehmern darin, dass die Stellung des Pferdes als Partner des Menschen nicht alleine auf den Status Nutz- oder Heimtier reduziert werden darf.

COFICHEV wird sich mit den gewonnenen Erkenntnissen weiter beschäftigen und bei den zuständigen Stellen notwendige Änderungen in den rechtlichen Grundlagen zeitnah anregen. Gleichzeitig sollte eine zielgerichtete Kommunikation zur Problematik «Das Pferd, Nutz- oder Heimtier?» initiiert und nachhaltig begleitet werden.

(Medienmitteilung Bureau des COFICHEV, Bild: Symbolbild)

Das COFICHEV-Symposium “Das Pferd, Nutz- oder Heimtier?” wurde per Zoom abgehalten. Die gesamte Zoomsitzung wurde filmisch festgehalten und kann auf Youtube nachgeschaut werden.

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Der Link zum Youtube Video des Symposiums.

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