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ZVCH – Zuversicht trotz vieler offener Fragen

Giulia Meroni aus Rancate (auf dem Bild) und Jacques Perrin aus St-Imier. Die 1986 geborene Pferdewissenschafterin und Verhaltensökologin Giulia Meroni ist unter anderem als Pferdezüchterin und in der Verwaltung im familiären Landwirtschaftsbetrieb «San Martino» (Springpferdezucht SM) in Rancate tätig und hat im Springsport Prüfungen bis GP CSI3* absolviert.

Die ordentliche Mitgliederversammlung des Zuchtverbandes CH-Sportpferde ZVCH konnte der Corona-Krise wegen nicht in gewohntem Rahmen durchgeführt werden. Gut dokumentiert arbeiteten die Mitglieder die Traktanden auf dem Schriftweg oder online ab. Breite Rückendeckung für den Vorstand kam dabei zum Ausdruck, Zuversicht in einer schwierigen Phase. Neu in den Vorstand gewählt wurden Giulia Meroni aus Rancate (auf dem Bild) und Jacques Perrin aus St-Imier. 

Präsident Daniel Steinmann und vier zur Wiederwahl stehende Vorstandsmitglieder des ZVCH wurden an der ordentlichen, der Corona-Krise wegen jedoch auf aussergewöhnliche Art durchgeführten Mitgliederversammlung für eine weitere Amtsdauer bestätigt. Neu zur Leiterin des Ressorts Zucht wurde das bisherige Vorstandsmitglied Dr. Simone Weiss bestimmt. Die Tierärztin tritt an die Stelle des zurückgetretenen Hansruedi Häfliger. Da auch Philippe Horisberger, bisher Leiter des Ressorts Sport, zurückgetreten ist, mussten zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt werden. Das Rennen machten die vom Vorstand vorgeschlagenen Giulia Meroni aus Rancate (auf dem Bild) und Jacques Perrin aus St-Imier. Die 1986 geborene Pferdewissenschafterin und Verhaltensökologin Giulia Meroni ist unter anderem als Pferdezüchterin und in der Verwaltung im familiären Landwirtschaftsbetrieb «San Martino» (Springpferdezucht SM) in Rancate tätig und hat im Springsport Prüfungen bis GP CSI3* absolviert. Der 1958 geborene Pferdezüchter, Hengsthalter und Pferdehändler Jacques Perrin ist Mitbesitzer der «Manège de St-Imier» seit 2016. Vorher leitete er während 15 Jahren die «Manège des Franches-Montagnes» in Saignelégier. Auch er war im Springsport aktiv bis Niveau 130 cm.

Grossmehrheitlich wurde dem Antrag des Vorstandes stattgegeben, die Pflicht der Mitgliedschaft in einer regionalen Pferdezuchtvereinigung aufzuheben, da diese Änderung der Statuten im Rahmen der Wiederanerkennung des ZVCH als Tierzuchtorganisation gemäss aktueller Tierzuchtverordnung notwendig wurde. Allerdings werden gemäss Beschluss der Versammlung ZVCH-Aktivmitglieder ohne Zugehörigkeit zu einer regionalen Zuchtvereinigung einen höheren ZVCH-Mitgliederbeitrag zu entrichten haben. Beschlossen wurde auch mit kräftiger Mehrheit, die beiden traditionellen Fohlenauktionen in Sursee (Warmblutpferdezucht-Genossenschaft Luzern) und in Dielsdorf (Verein Schweizer Sportpferde) wie bis anhin mit je Fr. 5000.– zu unterstützen. Schliesslich wurden die Jahresberichte des Präsidenten und der Ressort-Leiter, die Jahresrechnung 2019 sowie das Budget 2020 genehmigt und ein Antrag abgelehnt, den Zusatz «CH» hinter dem Namen von ZVCH-Fohlen als fakultativ zu erklären.

In schwieriger Situation

Die ZVCH-Sportpferdezucht sieht sich trotz auch im internationalen Vergleich hohem züchterischem Niveau in einer schwierigen Situation. Dass mit 382 identifizierten Fohlen im Jahr 2019 ein Tiefstand erreicht wurde, widerspiegelt zwar auch einen europaweiten Trend, hat jedoch, wie Präsident Daniel Steinmann in seinem Jahresbericht ausführte, vielschichtige Gründe. Die Pferdezucht in der Schweiz kämpfe in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, das durch ungleiche Behandlung durch die Bundesstellen gegenüber dem Ausland noch zusätzlich erschwert werde. Überdies drohe im Hinblick auf die Revision der Tierzuchtverordnung die Streichung von Bundesbeiträgen zur Unterstützung der Sportpferdezucht ab dem Jahr 2022 mit dem Argument, diese trage nicht zur nachhaltigen Ernährungssicherheit bei. «Wir sind der Meinung, dass die Pferdehaltung und mit ihr auch die Zucht nicht so aus einem einzigen Kontext heraus angesehen werden kann, sondern ganzheitlich betrachtet werden muss. Die Pferdehaltung soll klar im landwirtschaftlichen Umfeld beheimatet bleiben, wo sie eine enorme ökologische und ökonomische Wertschöpfungskette innehat», führt Steinmann aus. Um hier das Ruder in die richtige Richtung zu drehen bedürfe es jeder erdenklichen Unterstützung durch gesellschaftliche und politische Organe und Organisationen.

Dass nun die über uns hereingebrochene Corona-Krise die ohnehin mit Unsicherheiten behaftete Zukunftsplanung zusätzlich erschwert, liegt auf der Hand. Bereits musste die Verkaufsschau in Delémont abgesagt werden. Um die Durchführung von Feldtests wird gerungen. Die Prämienzuchtstutenschau wurde verschoben in der Hoffnung, sie zusammen mit den Schweizermeisterschaften der CH-Sportpferde und der Hengstkörung im September durchführen zu können. Wie es mit den beiden Fohlenauktionen im September aussehen wird, ist ebenfalls noch ungewiss.

«Tragen wir weiterhin Sorge zu unserer gemeinsamen Affinität und unserem Herzblut zu den Pferden. Diese Gemeinsamkeit lässt uns zuversichtlich in die Zukunft blicken», schliesst Daniel Steinmann seinen Jahresbericht, der in Erinnerung an den letztjährigen Sieg eines CH-Sportpferdes aus der Zucht der Familie Meroni aus Rancate an der WM der jungen Pferde im Concours Complet mit dem Ausruf beginnt: «Wir sind Weltmeister!»

(Heinrich Schaufelberger, PD ZVCH)

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Dies ist das Benutzerkonto von Daniela A. Caviglia, Chefredaktorin von Kavallo.

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