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Corona-Dossier Pferdebranche Schweiz / News

Aktuelle Antworten rund um das Corona-Virus und Pferde-Haltung

Aktuelle Antworten rund um das Corona-Virus und Pferde-Haltung

Dieser Beitrag war gültig während dem Corona-Lockdown. Die ab Mai 2020 geltenden Vorschriften finden Sie hier: Pferdesport ab 11. Mai wieder erlaubtAb dem 11. Mai ist Reitunterricht wieder möglich

 

In der Schweiz gilt wegen des Corona-Virus die «ausserordentliche Lage». Die landesweiten Massnahmen dazu lauten:

  • Alle Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe (darunter fallen Reitschulen, Ponyhöfe, Vereinsanlagen, Streichelzoos und Reitsportanlagen, bei denen die Versorgung und Bewegung der Pferde durch das Personal gegeben ist, werden bis am 26. April 2020 geschlossen. Auch Schulen sind geschlossen.
  • Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittelläden und die Gesundheitseinrichtungen.
  • Und seit 20.03.2020: Ansammlungen von mehr als 5 Personen im öffentlichen Raum sind verboten.
Einige Antworten gleich zu Beginn
  • Von diesem Lockdown nicht betroffen sind Tätigkeiten und Dienstleister, welche die Grundversorgung von Mensch und Tier sicherstellen. Notwendige Pflege und Versorgung von Tieren fällt darunter ebenso wie Futterlieferungen und Futterproduktion, notwendige Tierarzt-Behandlungen (nicht notwendige Behandlungen werden von vielen Praxen bereits verschoben, direkt beim eigenen TA nachfragen) oder aus gesundheitlichen Gründen zu erneuernder Hufbeschlag.
  • Von einem Lockdown betroffen sind: Freizeitaktivitäten, auch solche an frischer Luft, an denen mehrere Personen teilnehmen. Darunter fällt auch das Ausreiten in Gruppen und in beliebten Reitgebieten. Der Bundesrat bittet darum, wenn immer möglich Zuhause zu bleiben und so viel zwischenmenschlichen Kontakt zu meiden wie nur möglich.
  • Vom Lockdown betroffen sind auch alle Vereinsaktivitäten, Vereinsinfrastrukturen müssen geschlossen bleiben.
  • ACHTUNG: Auch Einzelunterricht in Reitschulen ist untersagt. Präzisierung vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen vom 19.03.2020. Wie der SVPS schreibt, wurde die Frage des Einzelunterrichts an Reitschulen nun abschliessend beantwortet: → Reitschulen / Reitunterricht (auch Einzelunterricht) = Verboten
  • Ebenfalls verboten ist die Weiterführung der geschlossenen Betriebe ausserhalb der Räumlichkeiten, namentlich bei Kunden, ausser sie sind medizinisch oder tierschutzrechtlich relevant. Diese Weisung gilt laut Präzisierung des Bundesrates für Dienstleister wie Fotostudios, kosmetische Dienstleister und vergleichbare Tätigkeiten.

Offizielle Informationsseite des BAG / Die offizielle Mitteilung des SVPS / Ganz toller Beitrag vom OKV mit Aufruf zur Solidarität! / Offizielle Mitteilung des ZKV

Das Coronavirus und die Rösseler

Wie umgehen mit dem Einkommensausfall?

Wie der Bundesrat am 20.3. kommunizierte, läuft jetzt die Hilfe auch für Selbstständige an. Diese werden entschädigt, falls sie

  • wegen Schulschliessungen Kinder betreuen müssen,
  • bei ärztlich verordneter Quarantäne oder
  • der Schliessung eines selbstständig geführten öffentlich zugänglichen Betriebes.

Die Taggelder betragen 80 Prozent des Einkommens, höchstens 196 Franken pro Tag. Abgewickelt wird die Taggeldauszahlung über die kantonalen Ausgleichskassen, wie am 23.03.2020 kommuniziert wurde. Mehr dazu hier: Taggeld-Lösung für Selbstständige da!

Bitte beachten: Die Kavallo-Spendenaktion Zeit für Solidarität für Reitschulen, Ponyhöfe und Therapiebetriebe.

Was bedeutet das Corona-Virus für Pferdebetriebe?

Am 21.3. hat der ZKV ein Merkblatt veröffentlicht, welches eine gute Übersicht bietet, was erlaubt und was verboten ist. Hier der entsprechende Facebook-Post:

Wer bewegt jetzt die Pferde in den Reitschulen?

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen spricht hier eine ganz klare Sprache: “Die Versorgung inkl. Beschäftigung der Pferde gemäss Tierschutzgesetzgebung ist sicherzustellen; dafür ist die / der ReitstallbesitzerIn verantwortlich. (18.03.2020)” – Quelle: Beschäftigung von Schulpferden, da Reitunterricht verboten.

Ab auf die Weide?

Wie sichert man Pferden und Ponys die nötige Bewegung, wenn BesitzerInnen, Reitbeteiligungen oder aus Krankheitsgründen ein Teil des Stallbetreiber-Teams nicht mehr mithelfen können? Einfach ab auf die Weide? Und was, wenn keine Weiden zur Verfügung stehen? Antworten gibt es hier: Ab auf die Weide?

Die Corona-Virus-Massnahmen unserer Nachbarländer

Noch vor ein paar Tagen hiess es, in Österreich sei es trotz Ausgangssperre weiterhin erlaubt, sein Pferd zu besuchen, zu versorgen und es zu bewegen (Quelle). Kurz darauf wurde dies relativiert, die Pferdezucht Austria veröffentlichte diesen Hinweis:

„Es besteht grundsätzliches Betretungsverbot auch für die Besitzer der eingestellten Pferde (Freizeit- und Sportbetrieb, bzw. keine Notfall-Dienstleistungen). Nur für den Fall das der Einstellbetrieb auf die Mitarbeit der Pferdebesitzer angewiesen ist, können eingeschränkt (absolutes Minimum) und unter Einhaltung der Abstandsbestimmungen (mind. 1 Meter zu anderen Personen) betriebsfremde Personen eingesetzt werden.“

In Frankreich ist der Zugang zu Pferdebetrieben ausser für das Personal untersagt.

In Deutschland gilt ein eingeschränktes Aufenthaltsverbot, was dieses bedeutet, hat St. Georg zusammengetragen. Besonders hilfreich in diesem Artikel, der Notfallplan für Pferdebesitzer, Reiter und Betriebsleiter. > Link

Fragen & Antworten

Auswahl der persönlichen Fragen unserer Leserinnen und Leser (anonymisiert, Namen der Redaktion bekannt):

Ich weiss die Frage wird mir im Moment keiner wirklich beantworten können. Jedoch wäre für mich als Pferdebesitzerin und Trainerin gut zu wissen ob ich noch Unterrichten darf? Ob die Versorgung der Pferde zur Grundversorgung zählt?

Reitunterricht ist definitiv verboten, auch Einzelunterricht, wie seit dem 19.03. offiziell bekannt ist. Die Versorgung der Pferde gehört jedenfalls ganz klar zur Grundversorgung.

 

Ich bin Huforthopädin und bearbeite meine Kundenpferde ausschliesslich in Anwesenheit der Besitzer oder einer beauftragten Person. Zudem arbeite ich in verschiedenen Kantonen (BL, FR, BE). Ich habe meine Kunden bereits informiert, dass die Termine ohne ihren Gegenwunsch stattfinden, sie aber mitteilen können, wenn sie nicht dabei sein möchten um den Kontakt zu vermeiden. Wie ist es allerdings grundsätzlich – gehört die Hufbearbeitung/Hufbeschlag zur Grundversorgung des Tieres? Gem. TSchV eigentlich schon. Wie wird dies wohl gehandhabt werden? Das wäre vielleicht auch ein Input für das Positionspaper des SVPS. Danke für Eure Arbeit!

Ist der Hufbeschlag aus medizinischer, sprich gesundheitlicher Sicht nötig, dann gehört er zur Grundversorgung. Geht es einfach darum, einen Beschlag frühzeitig in einem normalen Turnus zu ersetzen, dann wäre vermutlich ein Aufschub auf einen vertretbaren Zeitraum zumutbar. Input ist weitergeleitet.

Dazu ist eine Antwort von SVPS-Präsident Charles Trolliet eingetroffen. Er betont, dass es sich um seine persönliche Meinung ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit handelt:

“Nach meinem Dafürhalten zählen die tierärztliche Aktivitäten (mindestens die Behandlungen von akuten Krankheiten) dazu. Man könnte sich aber streiten, ob eine leichte, langdauernde Lahmheit oder eine Zahnkorrektur auch einen sofortigen Besuch benötigt oder ob es nicht besser wäre, einige Zeit zu warten… Ich sehe es ähnlich bei den Hufpflegen: wenn es dem Pferd nicht schadet, sollte man gut überlegen, ob einen Besuch, der sowieso gewisse Kontakte impliziert, unbedingt sofort nötig ist. Sollte aber das Pferd darunter leiden, scheint mir ein Besuch vertretbar, unter Einhaltung der Hygienemassnahmen. Am bestes sollte sich die Huforthopädin zuerst für sich selbst (Eigenverantwortung) diese Überlegung machen. Ich glaube kaum dass die Kantone im Moment so ein Fall explizit vorgesehen haben!”

 

Ich bin Selbstversorger in einem kleinen privaten Stall (Stallbesitzer sind keine Pferdefachleute). Wie sieht es aus bei Ausgangssperren? Darf ich mich weiterhin um meine Pferde kümmern und diese auch bewegen? Ansonsten wäre ich aufgeschmissen!

Als Selbstversorger gehört die Versorgung der Pferde zur Grundversorgung. Ausreichend Bewegung gehört theoretisch auch dazu. Jedoch wäre vermehrter Weidegang, wenn möglich, empfehlenswert. Das entlastet den öffentlichen Raum, vermindert die Unfallgefahr von Reitern und freut die Pferde. Ist Dein Stall im Inland, solltest Du also weiterhin für Deine Pferde selber sorgen können. Ausser natürlich, Du erkrankst und wirst unter Quarantäne gestellt.

 

Wir sind, schon ziemlich verzweifelt, auf der Suche nach Hilfe bezüglich folgender Fragen im Zusammenhang mit dem Coronavirus:

  • Ist Reitunterricht in kleinen Gruppen draussen noch erlaubt?
  • Was geschieht mit bezahlten Kursgebühren, wenn der Unterricht auf behördliche Anordnung nicht mehr stattfinden kann? Wir sind ja da, die Pferde auch und wir könnten die vereinbarten Leistungen erbringen!
  • Die Schul-Pferde/Ponys fressen weiter und müssen trainiert werden – Reitbetriebe gehören im Allgemeinen nicht zu den Grossverdienern- gibt es irgendwo Hilfe?
    Es wäre schön, wenn Kavallo für die Reitschulen Infos zusammenstellen könnte – bisher haben wir nur zu Absagen von Veranstaltungen wie Turnieren oder Lehrgängen Infos gefunden.

Ab sofort bis zum 19. April müssen Reitschulen als Freizeitbetriebe geschlossen bleiben. Reitunterricht ist definitiv verboten, auch Einzelunterricht, wie seit dem 19.03. offiziell bekannt ist. Der Bund verspricht aber auch finanzielle Hilfe für Selbstständige und Kleinunternehmen. Sobald bekannt ist, wo und wie man diese beantragen kann, werde ich informieren.

Dazu ist eine Antwort von SVPS-Präsident Charles Trolliet eingetroffen. Er betont, dass es sich um seine persönliche Meinung ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit handelt:

“Die finanzielle Aspekte sollten m.E. direkt mit dem jeweiligen Kanton diskutiert werden. Es ist für mich klar dass eine Diskussion zwischen Reitlehrer und Schüler stattfinden soll: die Kurse sind nicht definitiv abgesagt und der Reitunterricht wird in einigen Zeiten wieder stattfinden. Ich sehe also nicht warum Leute die eine Vorauszahlung gemacht haben, nicht einfach warten könnten. Ich bin nicht ein Rechtsspezialist aber ich denke, dass die Situation besonders schwierig sein wird für die unabhängige Unternehmer und Reitlehrer. Bei den Ställen die als KMU gelten sollte eine gewisse Unterstützung im Sinne einer Kurzarbeitentschädigung möglich sein. Dies benötigt aber, dass die tägliche Arbeit tatsächlich reduziert wird, in diesem Fall nur den Reitunterricht weil die Pferdepflege gleich bleiben.”

 

Können die Besitzer noch zu ihren Pferden zur Pflege ect?

Zur Pflege und absolut notwendige Bewegung, ja.

 

Liebe Kavallo, gilt das auch für Schweiz nach Deutschland? Ich wohne an der Grenze und mein Pferd steht in Deutschland.

Das wird noch nicht einheitlich kommuniziert. Auskunft geben kann das zuständige Zollamt. Wenn die Antwort heute ein Ja ist, muss sie morgen aber nicht auch noch Ja sein 😬Ausschlaggebend ist vermutlich, ob Dein Pferd Dich braucht im medizinischen oder tierschutzrechtlichen Sinn. Wenn es jemand anderer füttert und pflegt, könnte es schwieriger sein, hinzukommen.

Danke! Dann wird hier wieder das Wortspiel “was braucht es zur Pflege und was nicht” geben…

Jein, um beim Wortspiel zu bleiben. Ist sowohl die Fütterung und Pflege, als auch die medizinische Versorgung und die Bewegung gewährleistet, gibt es aus Sicht der Nachbarländer keinen Grund für eine Einreisebewilligung. Nur Österreich ist so kulant, Pferdebesitzer aus dem Ausland trotzdem zu ihren Lieblingen zu lassen (Update: diese Kulanz soll nun doch nicht gelten, siehe Regelungen in Österreich weiter unten)

 

Kann ich als Reitbeteiligung noch in den Stall zum Pferd?

Bitte direkt beim Stallbetreiber fragen.

 

Darf ich meine Pferde noch transportieren, dass ich sie auf dem auswärtigen Reitplatz bewegen kann?

Transporte sollen jetzt nur noch erfolgen, wenn sie medizinisch notwendig sind oder wenn ein Pferd definitiv in einen anderen Stall umzieht.

 

Ich bin Ponybesitzerin in einem kleinen Privatstall (9 Pferde/Ponys). Ich bin etwas verunsichert, was ich noch darf und was nicht… ich hoffe Sie können mir meine Fragen beantworten. Darf ich meine Tochter noch mit in den Stall nehmen? Darf ich mit meinem Pony ins Gelände gehen? Dürfen externe Reitlehrer noch kommen? Und dürfen Reitbeteiligungen noch in den Stall kommen? 

Die eigene Tochter darf selbstverständlich noch mit in den Stall. Mit den Ponys darfst Du ins Gelände, solange ihr euch nicht miteinander zu einem Gruppenausritt verabredet und Du genug Distanz zu anderen hältst. Reitunterricht darf keiner mehr stattfinden. Reitunterricht ist definitiv verboten, auch Einzelunterricht, wie seit dem 19.03. offiziell bekannt ist. Eine Privatstunde ist laut Präzisierung des Bundesrats ebenfalls nicht mehr möglich. Bezüglich Reitbeteiligungen wird empfohlen, sie dosiert in den Stall lassen und alles gut desinfizieren, wenn jemand da war.

Super danke da bin ich schon etwas beruhigt. Das Ganze verunsichert einem ja schon sehr… in grossen Gruppen sind wir nie unterwegs. Höchstens zu zweit oder dritt… Mit meiner Stallkollegin (also zu zweit) ins Gelände zu gehen ist also noch erlaubt?

Erlaubt schon, aber nicht sinnvoll. Auch den Stalldienst solltet ihr abwechselnd machen und jeweils was ihr angefasst habt, desinfizieren. Denn wenn ihr euch gegenseitig ansteckt und in Quarantäne müsst, wer sorgt dann für eure Pferde?

Disclaimer: Dieser Artikel wird regelmässig aktualisiert. Letzte Aktualisierung 23. März 2020, 17.16 Uhr.

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