Keine Weltreiterspiele im Jahr 2022

Setzte Tryon einen Schlusspunkt nach fast 30 Jahren? Die grossen organisatorischen Probleme sorgten jedenfalls dafür, dass vorläufig keine Weltreiterspiele mehr stattfinden.

Erstmals seit 1990 wird es keine Weltreiterspiele 2022 geben. Das war die erste wichtige Entscheidung auf der Generalversammlung des Reiterweltverbandes (FEI) in Moskau. Stattdessen werden die entsprechenden Titelkämpfe in den acht Pferdesportdisziplinen an unterschiedlichen Orten ausgetragen. Die dänische Stadt Herning wird von 6. bis 14. August 2022 Schauplatz der Weltmeisterschaften in Springen, Dressur, Para-Dressur und Voltigieren. Die Vielseitigkeitsreiter ermitteln ihre Weltmeister von 14. bis 18. September in Pratoni del Vivaro/ITA. Dort wird eine Woche später auch die WM der Fahrer ausgerichtet (21. bis 25. September). Für die Disziplinen Springen, Dressur, Para-Dressur und Vielseitigkeit zählen die beiden Events auch als Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 in Paris.
Seit 1990 hatte die FEI im Vierjahres-Rhythmus Weltreiterspiele vergeben. Über die Zukunft dieses Modells, bei dem innerhalb von zwei Wochen Weltmeisterschaften in acht Pferdesport-Disziplinen an einem Ort ausgetragen werden, wurde bereits während und nach der letzten Ausgabe in Tryon 2018 diskutiert. Der Veranstalter und auch die FEI waren in die Kritik geraten, da vor Ort organisatorisches Chaos herrschte. Aufgrund des Mangels an Bewerbern hatte die FEI dann beschlossen, die Bewerbungsphase für die Weltmeisterschaften 2022 erneut zu öffnen und Veranstaltern die Möglichkeit zu geben, sich für die Austragung von Weltmeisterschaften in einzelnen Disziplinen zu bewerben.
«Als wir den Bewerbungsprozess für die FEI-Weltmeisterschaften 2022 für einzel- und multidisziplinäre Ausschreibungen eröffneten, war es unsere Absicht, Veranstaltungen zu organisieren, die überschaubarer und nachhaltiger an bewährten Orten stattfinden», sagte FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibáñez. «Mit der Vergabe dieser multidisziplinären Meisterschaften an Herning und Pratoni del Vivaro arbeiten wir mit Gastgebern zusammen, die bereits über die notwendige Erfahrung und Infrastruktur verfügen, um Meisterschaften im Pferdesport auf Weltklasse-Niveau zu organisieren.» Das vorläufige Ende der Weltreiterspiele wird allgemein bedauert. Gerade für die nicht-olympischen Disziplinen waren die Weltreiterspiele die Plattform schlechthin, um Aufmerksamkeit für ihre Sportart zu bekommen, wie sie sie sonst nie haben.
Des Weiteren vergab das Board die WM der Para-Fahrer 2020, der Jungen Dressurpferde 2021 bis 2023 und die Weltcup-Finals bis zum Jahr 2024. Demnach kehrt das Weltcup-Finale der Dressur- und Springreiter sowie Voltigierer und Vierspänner-Fahrer 2022 nach Leipzig zurück, wo es bereits 2011 stattgefunden hat. Von 6. bis 10. April werden dort die Hallen-Champions in vier Disziplinen ermittelt.
Von 12. bis 16. April 2023 werden die Finalturniere um den Weltpokale in Dressur und Springen in Omaha/ USA ausgetragen. Ein Jahr später ist erstmals  die Saudi-Arabische Hauptstadt Riad Austragungsort des Weltcup-Finals in Dressur und Springen. Die Vierspänner-Fahrer werden 2022 und 2023 ihre Hallen-Champions in beiden Jahren im französischen Bordeaux ermitteln, und zwar von 2. bis 5. Februar 2023 sowie von 1. bis 4. Februar 2024.
Die Para-Fahrer tragen von 6. bis 9. August 2020 ihre Weltmeisterschaften im sächsischen Schildau aus. Ausserdem kommt die Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde im nächsten Jahr nach Verden zurück, geht dann aber wieder für drei Jahre nach Ermelo/Niederlande.

Drucken