Strafverfahren gegen Westerntrainer

Tierschutzrelevant oder nicht? Der Veterinärdienst der Urkantone will über die von ihm eingereichte Anzeige den Umgang dieser einen Person mit dem Pferd abklären lassen. (Foto: zvg)

Sorgfältig bis über die Vorderfusswurzelgelenke hinaus ist der schmucke Palomino bandagiert. Dieser Reiter scheint sehr vorsichtig mit den Pferden umzugehen. Doch der erste Eindruck täuscht, denn was der Wallach unter seinem Trainer hinzunehmen hat, ist nicht mehr in Watte verpackt. Vor kurzem ist nämlich gegen den in der Zentralschweiz tätigen Westerntrainer vom Veterinärdienst der Urkantone bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Obwalden eine Strafanzeige eingereicht worden. Nähere Auskünfte will die zuständige Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt allerdings keine machen, bestätigt aber gegenüber dem Kavallo, dass ein Verfahren eröffnet worden sei. Auf das Verhalten des Reiters ist der Veterinärdienst durch mehrere Zeugen aufmerksam gemacht worden, die ihre Aussagen mit einer grossen Zahl Fotos und Videofilmen glaubhaft darlegen. Auf den auch dem Kavallo zugespielten Bilddokumenten ist der Reiter während des Trainings mit verschiedenen Pferden in allen Gangarten zu sehen: linke Hand, rechte Hand, geradeaus, im Stehen, das Maul mal mehr, mal weniger offen, eng im Hals, den Kopf des Pferdes teils bis zum Vorderfusswurzelgelenk hinunter in Hyperflexion hart nach links oder rechts gezogen. Beim Veterinärdienst der Urkantone ist der stellvertretende Kantonstierarzt Marco Gut zuständig. Er will den vorliegenden Fall aber nicht allein auf die gesetzlich verbotene Rollkur beurteilen lassen: «Die Rollkur ist nur ein Aspekt. Im konkreten Fall geht es darum, den Umgang einer Person mit einem Pferd abzuklären. Es werden nicht nur alle Zeugen einvernommen, möglicherweise werden zur weiteren Beurteilung auch Fachpersonen beigezogen.» Gespannt wird man auch auf die Beurteilung des in diesem Fall verwendeten «Twister»-Gebisses sein, ein in einer starken Hand sehr scharf wirkendes Modell. Bis ein Urteil vorliegt, wird es noch einige Zeit dauern, deshalb gilt auch in diesem Fall nach wie vor die Unschuldsvermutung.
Erstaunlich an dem Fall ist, dass gegen den schon längere Zeit in der Zentralschweiz tätige Westerntrainer nicht schon früher Anzeige erstattet worden ist. Die äusserst harten Trainingsmethoden wendet er schliesslich nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit an, sondern sind für jedermann/-frau mitzuverfolgen. Für viele Besitzerinnen und Besitzer scheinen sie so professionell und erfolgreich zu wirken, dass sie ihm ihr Pferd anvertrauen. Schliesslich hat er ebenfalls auf Facebook seinen Auftritt und macht mit solchen Bildern für sich selber Werbung. Eine erfahrene Westerntrainerin meint dazu: «Leider sieht man diese Bilder des öfteren und das nicht mal hinter geschlossenen Türen. Dies hat nichts mit Westernreiten zu tun, sondern um ein ‘Abrichten’ eines Pferdes oder Sportpferdes. Bedauerlicherweise sind solche Bilder keine Seltenheit, und oft führt dieser Weg zum schnellen ‘Kadavergehorsam’ des Pferdes. Anscheinend wird dies von den Pferdebesitzern doch eher bevorzugt als reelle Ausbildung, die auf die natürlichen Verhaltensweisen des Pferdes abgestimmt ist.»

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