Von: Otfried Lengwenat

Dossier: 3/19

Die Weide als grünes Paradies

Das kleine Pferdeparadies im Grünen geniessen auch die beiden im Training stehenden Vollblüter beim Trainer Urs Muntwyler. Foto: zvg

Für kleine Flächen eignen sich sehr gut Handgeräte für das Ausbringen von Dünger oder für eine Übersaat. Foto: zvg

Auch wenn viel Weidefläche zur Verfügung steht, damit’s grün bleibt, muss gepflegt werden. Foto: Thomas Lehmann

Ein herzhafter Biss ins frische Grün – mit einer Über- oder Nachsaat lässt sich das den Pferden auch erhalten. Foto: Christiane Slawik

Auf der Weide finden Pferde ihre natürlichen Ansprüche hin­sicht­lich, Licht, Luft, Nahrungsaufnahme oder Bewegung am besten erfüllt. Doch wenn wie in der Schweiz knappe Platz­ver­hältnisse der Haltung enge Grenzen setzen, ist der Pflege des Gründlandes früh im Jahr besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Freier Ausgang auf der Weide ist für Pferde, Ponys und Esel mehr als nur ein Stück zurückgewonnene Freiheit, es bedeutet das kleine Paradies auf Erden. Ihr Bewegungsapparat ist an die Futtersuche im Fortbewegen angepasst, was eben am besten auf der Weide zutrifft. Doch die dazu erforderliche Fläche ist nicht immer vorhanden, damit der Begriff Grünfläche dem Namen gerecht wird, geht es nicht ohne intensive Pflege. Und die beginnt eben schon vor der eigentlichen Weidesaison. Wie damit zeitig im Frühjahr zu beginnen ist, wird im neu herausgekommenen Buch «FN-Praxishandbuch für Pferdehalter» ausführlich dargelegt. Der Abdruck des Textes und der Bilder erfolgt mit freundlicher Genehmigung des FNverlags, Warendorf 2018.

Weidepflege
Die Wintermonate und das zeitige Frühjahr müssen genutzt werden, um die Weide optimal auf die Vegetationszeit vorzubereiten. Zu den wichtigen Massnahmen zählen:
• Zäune kontrollieren, ggf. reparieren
• Schleppen, um Bodenunebenheiten einzuebnen, die jungen Gräser von ihrer Bedeckung zu befreien und Futterverunreinigung zu vermeiden
• Walzen mit niedrigem Tempo (4 km/h) und mit einer Walze mit hohem Gewicht (10 bis 15 dt/m Arbeitsbreite), um den Bodenschluss wiederherzustellen; Achtung: nicht für schwere nasse Böden geeignet
• Ausmähen und Absammeln von überständigen Gräsern, Geilstellen und Unkraut (z. B. Ampfer, Disteln); Schnitttiefe nicht unter 5 bis 8 cm
• Nachsaat als Über- oder Reparatursaat zur Verbesserung der Grasnarbe
• Kotabsammeln nach jedem Umtrieb und nicht durch Eggen auf der Weide verteilen
Die Pflegemassnahmen für das Grünland können in einem Weidekalender zusammengefasst werden. Wetterbedingt kann es natürlich zu Verschiebungen kommen.

Möglichkeiten bei zerstörter Grasnarbe
Je stärker die Weide von Pferden beansprucht wird, desto stärker vermehren sich Gräser, die Tritt und Verbiss vertragen, und Gräser wie z.B. der Wiesenschwingel werden verdrängt. Bei starkem Verbiss kommt es auch zu einer vermehrten Ausbreitung von Klee. Bei einem zu geringen Anteil wertvoller Gräser muss die Weide verbessert werden. Die Grasnarbe kann auch durch die Hufe stark zerstört werden, so dass Lücken entstehen, in denen sich Unkräuter ausbreiten. Auch diese Stellen müssen möglichst schnell repariert werden. Je nach Umfang der Schädigung gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Grasnarbe wieder zu verbessern.

Neuansaat
Die Schadensschwelle für eine Neuansaat liegt bei den Ungräsern niedriger (bei 30%) als bei den Unkräutern (bei 50%), da die Gräser nicht selektiv durch Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide) bekämpft werden können. Bei einem hohen Ungräseranteil kommt es häufig zu einem starken Verfilzen der Grasnarbe. Dann ist eine ausreichende Belüftung des Bodens nicht mehr gegeben, ausserdem fallen die Samen der Nachsaat oft nicht bis auf den Boden. Eine Nachsaat bringt daher nicht den gewünschten Erfolg. Wenn eine Neuansaat nicht zu umgehen ist, gibt es dafür zwei Möglichkeiten – ohne oder mit Umbruch.

Reparatur- oder Nachsaat?
Das Prinzip der Reparatur- oder Nachsaat besteht darin, dass der Grassamen ohne oder mit nur geringer Bodenbearbeitung auf die bestehende Grasnarbe ausgebracht wird. Die Wahl der Maschine richtet sich nach dem Schadbild: Bei verfilzter Grünlandnarbe sind Geräte einzusetzen, die die alte Grasnarbe auflockern und damit «Platz schaffen» für die Nachsaat. Geeignet hierfür sind die Fräsdrille und die Zahnrillenfräsmaschine. In lückenhaften Beständen hingegen sind Schlitzdrille und Scheibendrillmaschine vorzuziehen. Auch Drillmaschinen können eingesetzt werden.

Bei regelmässiger Nachsaat (alle 2 bis 3 Jahre) sind bis zu 30% höhere Erträge zu erzielen, denn
1. durch die regelmässige Nutzung der Weiden kommt es nicht zum Versamen aller Gräser, die generative Vermehrung wird ausgeschaltet;
2. durch den Einsatz neuer Sorten kann das genetische Material z.B. für höhere Erträge ausgenutzt werden (tetraploide Sorten bilden eine lockere Narbe und sind daher für Pferdeweiden weniger geeignet, aus-serdem sind sie fruktanreicher als diploide Sorten);
3. durch Nachsaat werden Lücken in der Grasnarbe geschlossen, der Verunkrautung wird vorgebeugt.

Vorteile gegenüber Neuansaat
• Die alte Narbe bleibt erhalten, daher bleibt die Tragfähigkeit erhalten und die Fläche ist schneller wieder für die Beweidung nutzbar.
• Es entstehen geringere Kosten für Saatgut und Maschineneinsatz.
• Der Termindruck ist geringer, der Nachsaattermin kann besser an Boden- und Wetterverhältnisse angepasst werden.
• Die Nachsaat ist die einzige Möglichkeit der Grünlandverbesserung auf nicht umbruchfähigen Flächen wie steinige Böden oder Moorflächen.

Nachteil gegenüber Neuansaat
Die Nachsaat stellt eine höhere Anforderung an die Weideführung, da die alte Grasnarbe in Konkurrenz zu ihr steht: Die nachgesäte Fläche muss häufig beweidet oder geschnitten werden, damit der alte Bestand geschwächt und damit der Konkurrenzdruck für die neue Saat verringert wird.

Übersaat
Bei der Übersaat wird mehrmals während der Weidesaison zusammen mit dem Dünger Saatgut (10kg/ha und Jahr) ausgebracht. So werden Lücken in der Grasnarbe kontinuierlich geschlossen und der Verunkrautung vorgebeugt. Zum Ausbringen des Grassamens wird er mit dem Dünger vermischt und mit dem Schleuderstreuer verteilt. Um ein Entmischen des Grassamens zu verhindern, werden der Dünger oder das Saatgut leicht angefeuchtet und dann vermischt.

Die Übersaat ist in erster Linie eine vorbeugende Massnahme. Allfällige Lücken wachsen schnell zu und sorgen für eine dichte, belastungsfähige Grasnarbe – bei geringen Kosten und grossem Nutzen.

Wenn Maschinen fehlen

Kleine Betriebe und Privatställe verfügen selten über all die Maschinen und Geräte für eine optimale Weidepflege. Während die eine und andere Arbeit gut mit Handgeräten erledigt werden kann, geht es bei anderen Pflegemassnahmen nicht ohne passende Maschinen. Wie im Beitrag zu lesen ist, sollte hie und da gemulcht, gewalzt oder geeggt werden. In diesem Fall lohnt es sich, ein lokales landwirtschaftliches Lohnunternehmen mit den Arbeiten zu beauftragen. 

 

 

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