Von: Christoph Wegmann | Dr. med. vet. FVH Equidoc GmbH

Ratgeber: 1-2/19

Tierarzt | West Nile Virus im Vormarsch

Wichtig ist die Bekämpfung der das West Nile Virus übertragenden Stechmücken. Foto: zvg

Wie die letzten Jahre zeigen, bringen die bekannte und wohl kaum mehr zu leugnende Klimaerwärmung sowie weitere Umstände wie steigender globaler Reiseverkehr von Mensch, Tier und Material auch Erreger nach Mitteleuropa, auf die wir gerne verzichten würden. Aktuelles Beispiel ist das Auftreten von Erkrankungen durch das seit 1937 bekannte West Nil Virus (WNV). Dieser ursprünglich auf dem afrikanischen Kontinent, Israel und Indien beheimatete Erreger wurde später auch in Nordamerika, den Balkanstaaten und kürzlich auch in Italien, Ungarn, Frankreich und Spanien nachgewiesen. Das Virus wird von Stechmücken auf Säugetiere übertragen. In den Endwirten – häufig sind Menschen und Pferde betroffen – wandert das Virus via Blut in Gehirn und Rückenmark. In diesen Organen manifestieren sich Entzündungen, die schwere neurologische Symptome hervorrufen.
Im Oktober 2018 wurde in Deutschland das Virus bei einem Pferd nachgewiesen und einen Monat später bei einem Tierarzt. Dieser hat sich mit grosser Wahrscheinlichkeit beim Sezieren eines Vogels angesteckt, der am West Nil Fieber (WNF) erkrankt war. Obschon es sich in Mitteleuropa bislang um den Nachweis von Einzelinfektionen handelt, publizierte das BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen) im November 2018, dass damit die Gefahr des Auftretens weiterer Fälle als mittelgross zu werten ist. Gemäss offizieller Einteilung handelt es sich demnach um eine meldepflichtige und zu bekämpfende Tierseuche. Als Zoonose – Menschen und Tiere können an WNF erkranken – erregt die Erkrankung natürlich spezielles Interesse.
Da mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unsere Pferde längerfristig vermehrt mit diesen und weiteren, zur Zeit noch nicht in der Region nachgewiesenen Viren konfrontiert werden, sind alle aufgerufen, der Beurteilung des Gesundheitszustandes ihrer Equiden Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Memo für Pferdebesitzer/-innen

Krankheitsanzeichen:
Unspezifisch. Innerhalb 3–15 Tagen können bei betroffenen Tieren Fieber, Fressunlust, Lethargie, Schluckstörungen, Lähmungen in verschiedener Ausprägung, allenfalls auch Gangalterationen festgestellt werden.
Diagnosestellung:
Bei Auftreten der oben beschriebenen Symptome ist das Pferd tierärztlich zu untersuchen. Dieser überprüft die klinischen Anzeichen und sichert die Diagnose bei Verdacht mit Laboruntersuchungen.
Behandlung:
Leichte Fälle können mit üblichen unterstützenden Massnahmen die Infektion überstehen. Eine eigentliche spezifische Therapie existiert nicht.
Vorbeugung:
Es existiert eine Impfung gegen WNV. Wichtiger ist momentan aber sicher die Bekämpfung der als Vektoren dienenden Stechmücken.

Ihre Frage – unsere Antwort
Medizin • Reiten • Fahren • Fütterung • Recht • Haltung • Umgang
Das Kavallo-Ratgeberteam ist jederzeit für Sie da. Schicken Sie uns Ihre Frage, wir leiten sie an unsere Experten weiter.
Redaktion Kavallo | redaktion@kavallo.ch

Drucken