Editorial: 1-2/19

Jahreswechsel sorgt fürs Pferdewohl

Pferde haben eine an schweizerische Präzisionsuhrentechnik erinnernde innere Uhr. Das erfährt jeder, der einmal etwas zu spät mit dem Futter erscheint: Mit gespitzten Ohren sind die Köpfe auf den herannahenden Futterwagen gerichtet, die etwas gar Futterfreudigen verlangen laut klopfend noch eine schnellere Gangart. Willkommen ist man auf jeden Fall. Von den Strapazen eines Jahreswechsels bleiben sie dagegen verschont. Sie müssen keine Blicke zurück werfen, sie leben im Hier und Jetzt und fühlen sich demnach auch überhaupt nicht verpflichtet, ans neue Jahr zu denken.

Ob man auf dem richtigen Weg ist und die Vorgaben im zu Ende gehenden Jahr erreicht worden sind, darüber müssen sie sich weder Gedanken machen noch Rechenschaft ablegen wie die Verbands­oberen. Betroffen sind sie davon aber sehr wohl, hängt ihre Befindlichkeit doch gänzlich von unseren mehr oder weniger pferdefreundlichen Wünschen ab. Wenn nun der SVPS zum Jahresende zur Einsicht gekommen ist, vorläufig auf die Beschickung von Endurance-Championaten zu verzichten, hat sich der Blick auf die vergangene Saison mehr als nur gelohnt. Abgesehen vom Debakel an den Weltmeisterschaften in Tryon – zu unterschiedlich sind die Ansichten der Parforcereiter über einen vertretbaren Pferdesport. Die aus aller Welt kommenden Teilnehmer haben die im SVPS-Leitfaden «Fair zum Pferd» genannten Werte noch längstens nicht als Richtlinien vor Augen.

Vorausschauende Blicke sind nicht weniger wichtig als ein traditionelles Zurückschauen. Das trifft besonders auf die Dressur zu, der als Grundlage guten Reitens besondere Bedeutung zukommt. Wo also ist 2019 anzusetzen, damit die Schweiz nicht weiterhin als viertes Weltland eingestuft wird? Und die Basis sich nicht nochmals über hinausgeworfenes Geld für Championatsteilnahmen ärgern muss?

Thomas Frei
Chefredaktor

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